21.07.2010

„Nur miteinander können wir die Vielfalt leben“

15 Jahre war Christoph Reusch Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Deizisau. Nun wechselt der 58-Jährige nach Hohengehren. Im September tritt er dort seine neue Pfarrstelle an.

„Nach 15 Jahren tut ein Wechsel gut“, ist Christoph Reusch überzeugt. „Manches hat sich eingespielt und ein neuer Pfarrer kann einer Gemeinde andere Impulse geben und neue Ideen entwickeln. Ich freue mich auf die spannende neue Wegstrecke.“ Auch familiär sei nun ein guter Zeitpunkt für eine Veränderung. Sohn Simeon sowie die Töchter Anna-Lena und Katharina sind erwachsen. Sie haben mit Studium und Berufsausbildung inzwischen andere Lebensmittelpunkte. So wird nur noch die jüngere Tochter Katharina mit Christoph Reusch und seiner Frau Cornelia, die als Altenheimseelsorgerin im Geriatrischen Zentrum in Esslingen-Kennenburg tätig ist, ins Pfarrhaus in Baltmannsweiler-Hohengehren einziehen.

Das große Fachwerkhaus ist Christoph Reusch vertraut: Als Kind machte er dort Ferien bei seinem Onkel, dem bekannten Kirchenmusiker und Komponisten Hermann Stern, der im Pfarrhaus wohnte. Auf den idyllischen Garten freut er sich genauso, wie auf die schöne Hohengehrener Kirche. „In Hohengehren kommt mir viel Freundlichkeit entgegen“, hat er bereits erfahren.

 
In 15 Jahren ist viel gewachsen
 
Und doch gesteht Christoph Reusch, dass ihm der Abschied von Deizisau nicht leicht fällt. „Es ist viel gewachsen in 15 Jahren“, sagt er und meint damit nicht nur zwischenmenschliche Beziehungen. Auch Neuerungen wie das monatliche ökumenische Taizé-Gebet, das Konfirmanden-Patenprojekt, die Filmnacht im Pfarrwäldle, der Familientag und Angebote der Erwachsenenbildung hat er während seiner Zeit als Deizisauer Pfarrer initiiert.

Dass er in Hohengehren mit seinen rund 1200 Gemeindemitgliedern eine deutlich kleinere Gemeinde übernimmt, sieht Reusch als Vorteil. „Ich kann so Beziehungen intensiver leben.“ Die Begleitung von Menschen ist ihm sehr wichtig: „Ich mache sehr gerne Besuche und will auch für die Mitarbeiter ein offenes Ohr haben.“ Diese Gespräche bereicherten ihn selbst auch.

Bibeltexte mit Gegenwartsfragen verbinden
 
Viel Sorgfalt verwendet Reusch für die Gestaltung der Gottesdienste, in denen das gemeinsame Singen eine zentrale Funktion hat: „Singen befreit“, ist der Pfarrer überzeugt. „In der Predigt muss man Bibeltexte mit den Fragen der Gegenwart in Verbindung bringen.“ Reizvoll findet er die Herausforderung, dem großen Spektrum der Gottesdienstbesucher gerecht zu werden.
 
"Gemeinsam sind wir der Leib Christi"
 
„Wir müssen zusammenhalten“, beschreibt Christoph Reusch sein Leitbild christlicher Gemeinde. „Nur gemeinsam sind wir der Leib Christi und da ist es wichtig, sich wahrzunehmen und wertzuschätzen in allen Unterschiedlichkeiten.“ Diese Überzeugung nimmt er auch mit nach Hohengehren: „Nur miteinander können wir die Vielfalt leben.“ Dazu gehöre aber ebenso, den Blick „über den Kirchturm hinaus“ zu werfen, etwa in gemeinsamen Aktivitäten im Distrikt mit anderen Kirchengemeinden.
 
Christoph Reusch wird nicht nur Gemeindepfarrer sein. Zu einem späteren Zeitpunkt wird er auch die Öffentlichkeitsarbeit des Evangelischen Kirchenbezirks Esslingen verantworten – eine Aufgabe, die ihn reizt. Für Gemeindebrief und Internetauftritt der Evangelischen Kirchengemeinde Deizisau hat er gerne geschrieben und vor allem auch fotografiert. „Mit der Fotografie konnte ich Beruf und Hobby ideal verbinden.“
 
Abschiedsgottesdienst am 1. August
 
Im Pfarrhaus in Deizisau werden schon die Umzugskartons gepackt. Am Sonntag, 1. August, wird sich Christoph Reusch im Gottesdienst um 9.30 Uhr von der Deizisauer Kirchengemeinde verabschieden. Im Anschluss gibt es einen Stehempfang im Gemeindehaus. Am Sonntag, 12. September, findet um 10 Uhr die Investitur in Hohengehren mit Dekan Bernd Weißenborn statt.


Autor: Ulrike Rapp-Hirrlinger

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