Theologische Begriffe erklärt: Auferstehung

Beitrag zu Ostern am 12. April 2009

Was sucht Ihr den Lebenden bei den Toten?

Von Annegret Zeyher
                        
In der Nacht zum Ostersonntag endet die Passionszeit. Nach Karfreitag feiern Christen am Ostermorgen die Auferstehung Jesu. In vielen Kirchengemeinden gehören die Osternacht und die frühmorgendliche Feier auf dem Friedhof zum festen Gottesdienst-Programm. Ostern ist das wichtigste und älteste Fest der Christenheit. Die Nacht ist vorbei. Die Trauer darf weichen. Davon künden das Osterlicht, die Lieder und die Zeugnisse der Bibel.
 
Beobachtet hat das Ereignis der Auferstehung niemand. Nach dem Matthäus-Evangelium fielen die Grabwächter in Ohnmacht. Die Begegnungen mit dem Auferstandenen bewegten die Menschen dazu, die Osterbotschaft  weiterzusagen. Zuerst erfahren die Frauen am offenen Grab von der Auferstehung Jesu: „Am ersten Tag der Woche sehr früh kamen sie zum Grab und trugen bei sich die wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten. Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht. Und als sie darüber bekümmert waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer mit glänzenden Kleidern. Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden....Und sie gingen wieder weg vom Grab und verkündigten das alles den elf Jüngern und den andern allen“ (Lukas 24, 1-9).
 
Der Bogen vom Dunkel der Osternacht in das Morgenlicht ist Symbol dafür, dass Menschen am Ort der Trauer das ablegen können, was sie im Leben bekümmert und lähmt.um einen neuen Anfang zu machen.  Wie das geschieht, lässt sich bis ins Letzte nicht durch unseren bloßen Verstand erfassen. Was sich verändert, sagt ein Osterlied unserer Tage so: „ Das Leben beginnt: Christ ist erstanden! Der Tod ist besiegt: Christ ist erstanden! Wir räumen die Trübsal und Schatten beiseite und tragen die Nachricht unter die Leute:   Das Leben beginnt. Christ ist erstanden! Der Tod ist besiegt “.
 
Ostern taucht unser Leben und unsere Welt in ein neues Licht, So wird die Auferstehung Jesu zum Zeichen für den Sieg Gottes über den Tod. Leiden, Schmerz und Tod haben nicht mehr das letzte Wort. Wo Menschen von diesem Osterlicht erfasst werden, keimt eine Hoffnung, die niemand aus sich selbst schaffen kann. Sie ist eine Kraft, die über unsere Möglichkeiten hinausreicht, unsere Begrenzungen sprengt und den Horizont weitet für ein Leben, wie Gott es gemeint hat. „Ich lebe und ihr werdet auch leben!“ Diese Verheißung stellt die Grundlage aller christlichen Hoffnung dar. Um sie weiterzutragen, stimmen die Christen mitten in Angst und trotz der Erfahrung von Schmerz und Tod das alte Osterlied an: „Christ ist erstanden von der Marter alle; des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis“.

Annegret Zeyher (50) ist evangelische Krankenhauspfarrerin am Klinikum Esslingen


Friedhof als Ort der Trauer und der Hoffnung

Knut Mergenthaler

Knut Mergenthaler


Von Knut Mergenthaler
 
Für mich als Friedhofsgärtner ist es jedes Frühjahr aufs Neue faszinierend zu sehen, wie nach dem dunklen Winter wieder Grün aus dem Boden austreibt und neues Leben wächst. Das Wachsen der Natur ist für mich auch ein wichtiges christliches Symbol. Den Übergang von Ruhe und Tod zum Aufbrechen neuen Lebens empfinde ich immer wieder als bewegenden Moment, den ich ganz stark mit Ostern in Verbindung  bringe. Die Pflanzen auf den Gräbern stehen für diese christliche Hoffnung auf Auferstehung.

Auch vielen meiner Kunden geht es so. Sie wollen wieder blühende Pflanzen auf den Gräbern sehen, nachdem diese im Winter meist abgedeckt waren. Sobald es wärmer wird, haben sie ebenfalls wieder stärker das Bedürfnis, den Friedhof zu besuchen.

Dann beginnt auch für mich und meine Mitarbeiter eine intensive Arbeitsphase auf dem Friedhof, denn unser Ziel ist es, alle Gräber, für die wir verantwortlich sind, bis Ostern gerichtet zu haben.  Die kleinen Hornveilchen oder Vergissmeinnicht sind meine persönlichen Lieblingsblumen. Ich versuche aber stets, die Wünsche meiner Kunden zu ergründen und darauf einzugehen.  Die Festtage des Kirchenjahrs – Advent, Weihnachten oder Ostern – spielen für die Grabbepflanzung heute keine so entscheidende Rolle mehr. Früher haben viele Menschen gerade zu diesen Anlässen besonderen Grabschmuck gewünscht, das ist heute rückläufig.

Oft geht die Beratung zum Grabschmuck oder zum Blumenschmuck für die Beerdigung über die reine Aufgabe des Gärtners hinaus. Pflanzen können Menschen in ihrer Trauer auffangen und begleiten. Weil ich in diesen Gesprächen dicht an den Trauernden nahe bin, versuche ich ihnen auch in ihrem Trauerschmerz beizustehen. In solchen Gesprächen kommt man dann oft auf ganz grundsätzliche Fragen des Lebens.

Das Grab ist der Ort, an dem man einem Verstorbenen nahe ist. Grabpflege bedeutet für mich auch eine Verbindung zu den Toten. Diese ist besonders intensiv, wenn ich den Verstorbenen kannte. Dann sehe ich ihn oft vor mir, erinnere mich an Begegnungen. An manchen Tagen ist es schwerer auf den Friedhof zu gehen – etwa bei der Bestattung eines jungen Menschen, oder wenn ein besonders schweres persönliches Schicksal dahinter steht.
In der Konfrontation mit Tod und Trauer ist es mir wichtig, die Gewissheit der Auferstehung zu haben. Vor allem auch, weil wir vor 14 Jahren unsere Tochter verloren haben. Ihr Grab können wir von unserer Wohnung aus sehen, sie gehört für uns zum Leben immer noch dazu. So ist für mich der Friedhof nicht nur ein Ort der Trauer, sondern auch der Hoffnung.

Knut Mergenthaler (45) ist seit 17 Jahren selbständiger Friedhofsgärtner in Esslingen.