Theologische Begriffe erklärt: Erfolg

Beitrag zu Erntedank am 4. Oktober 2009

Auch Erfolg ist letztlich ein Geschenk

Renate Pilz

Renate Pilz


Von Renate Pilz

Alles, was uns gelingt, ist letztlich von Gott geschenkt: Wenn ein Landwirt viel sät, kann er viel ernten, aber es ist auch entscheidend, ob zur richtigen Zeit Sonne und Regen da sind. Eine gute Ernte oder erfolgreiches Tun erfordern vollen Einsatz.

Talente werden uns geschenkt. Was wir daraus machen, liegt an uns. Der heilige Ignatius sagt: „ Handle so, als ob alles von dir abhinge und sei dir gleichzeitig bewusst, dass Gott es ist, der alles wirkt.“

Unternehmerischer Erfolg sollte sich nicht nur in Zahlen, im Gewinn bemessen. Ganz wichtig ist für mich als Unternehmerin, dass man Ziele, die man sich im Unternehmen gesteckt hat, gemeinsam erreicht. Das geht nur gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie müssen spüren, dass sie am Erfolg teilhaben. Ich sehe hinter jedem Mitarbeiter den Menschen, das entspricht auch meinem christlichen Menschenbild. Transparenz und Wertschätzung jedes Einzelnen tragen zu einem guten Betriebsklima bei. Das wiederum ist eine wichtige Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg, wie ich ihn verstehe.

Die Wirtschaftskrise zeigt deutlich, wohin es führt, wenn nur noch Gewinnmaximierung um jeden Preis zählt und die Regeln guten und nachhaltigen Wirtschaftens außer Acht gelassen werden. In Zeiten der Krise muss Erfolg anders definiert werden. Jetzt erfolgreich zu sein heißt für mich, die Arbeitsplätze zu erhalten. Deshalb ist es für mich auch unvorstellbar, für den kurzfristigen Erfolg Mitarbeiter zu opfern.

Das Streben nach Gewinn ist nichts Negatives. Erwirtschaftet man Gewinne, kommt es aber darauf an, was man damit tut. Erfolg zu haben bedeutet Verantwortung zu übernehmen – für die Mitarbeiter im Unternehmen, aber auch für die Gesellschaft. Ich sehe die Verpflichtung, denen, die materiell schlechter gestellt sind, unter die Arme zu greifen – nicht durch Almosen, sondern indem ich Perspektiven ermögliche. Deshalb unterstützen wir mehrere Projekte, die Hilfe zur Selbsthilfe geben – wie etwa die Missionare der Weißen Väter und den Deutsch-Madagassischen Verein in Esslingen, dessen Gründer, Günter und Ingeborg Hekler, sehr erfolgreiche Projekte in Madagaskar umgesetzt haben.
Im Alltag sind Erfolge oftmals klein, aber nicht weniger bedeutsam. Einem Kind, das seine ersten Schritte alleine macht, kann man die Freude über seinen Erfolg am Strahlen seines Gesichtes ansehen, die sich auch bei den Eltern wiederspiegelt.

Als persönlichen Erfolg sehe ich an, dass es mir gelungen ist, nach dem Tod meines Mannes 1975 das Unternehmen erfolgreich weiterzuführen und seine Visionen umzusetzen. Ich war damals glückliche Hausfrau und Mutter und von technischen und wirtschaftlichen Dingen ziemlich unbeleckt. Aber ich habe erfahren, dass, wenn man etwas wirklich will, vieles möglich ist. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich hätte es aber andererseits genauso als Erfolg betrachtet, als Mutter Leben weiterzugeben und Verantwortung für die Menschen in der Familie zu übernehmen.
Viele glückliche Umstände haben zu meinem erfolgreichen Einstieg in das Unternehmen beigetragen – Menschen, die mir mit ihrem Wissen halfen und Freunde, die bis heute zu mir halten, aber auch das Gefühl, dass all mein Tun geheimnisvoll getragen ist.

Die Überzeugung, dass einem letztlich alles geschenkt ist, bewahrt einen vor Überheblichkeit. Ich möchte einfach dankbar sein.

Renate Pilz (68) ist Geschäftsführende Gesellschafterin der Firma Pilz, Ostfildern,  mit weltweit 1400 Mitarbeitern. Nach dem Tod ihres Mannes stieg sie 1975 in die Leitung des Unternehmens ein. Sie engagiert sich darüber hinaus im Bund katholischer Unternehmer.


Verschiedene Erfolge

Von Tobias Haas

„Summa cum laude“, das klingt nach Erfolg. Für Niclas, einen Schüler mit Schwerstmehrfachbehinderung wird „summa cum laude“ als Ziel nicht erreichbar sein. Wird Erfolg an Zertifikaten und Auszeichnungen deutlich? Oder hat Martin Buber recht, wenn er sagt, Erfolg sei keiner der Namen Gottes? Es kommt auf die Blickrichtung an. Der Begriff Erfolg kommt von folgen, man könnte den Erfolg auch umschreiben mit „ein Ziel verfolgen“, einer Sache nachgehen. Eine solche Deutung passt auf viele Situationen.
 
Niclas verfolgt zur Zeit das Ziel selbstständig essen zu lernen und er hat schon erfolgreiche Fortschritte gemacht. Menschen sind verschieden, das heißt wer Erfolg daran misst, dass alle dasselbe Ziel erreichen, der schafft Gewinner und Verlierer. Werden hingegen individuelle Ziele gesucht, so kann man das Scheitern nicht ausschließen, aber Erfolg wird für alle möglich.
 
 Individuelle Ziele zu setzen heißt nicht, weniger anspruchsvoll zu sein, sondern die Hürden nicht überall gleich hoch anzusetzen sondern beim einen etwas höher, beim anderen etwas niedriger. Erfolgreich ist dann derjenige, der sein individuelles Ziel erreicht. Die unterschiedlichen Ziele erfordern einen stärkeren Blick auf den Einzelnen. In der Summe verbessert dies den Erfolg von allen.

Erfolg ist immer auch von Faktoren abhängig, auf die wir wenig oder keinen Einfluss haben. So wie der Sämann im Frühjahr sät als Voraussetzung für die Ernte im Herbst, aber keinen Einfluss auf Sonne, Regen oder Hagel hat, so kommen äußere Faktoren zum eigenen Handeln dazu. Auch diesen Sommer waren Landwirte niedergeschlagen, als sie mit ansehen mussten, wie ein einziger Hagelschlag den Großteil der Ernte zunichte machte.
 
 Zum Erfolg braucht es die eigene Anstrengung und günstige Einflüsse von außen, nicht wenige schreiben einen wichtigen Teil dem Segen oder der Gnade Gottes zu. Der heilige Franz von Sales bringt es auf den Punkt, wenn er schreibt: „Unsere Pflicht ist es freilich gut zu arbeiten, der Erfolg unserer Arbeit steht bei Gott.“ Menschen in der Landwirtschaft erleben es jedes Jahr, wie wenig Einfluss auf die Ernte sie letztlich haben und zeigen von daher einen ganz engen Bezug zum Erntedankfest.
 
Zum Erfolg gehört die Dankbarkeit, denn kein Mensch kann allein für einen Erfolg sorgen. Den Zusammenhang von Erfolg und Dankbarkeit auf andere Lebensbereiche zu übertragen z.B. ein Erntedankfest der Familie, das Erntedankfest in Bezug auf den Beruf oder eines Unternehmens würde vielleicht manchen Erfolg in ein anderes Licht rücken, das dankbar und demütig macht.
 
Tobias Haas, Gemeindereferent, Seelsorger für Familien mit behinderten Kindern im katholischen Dekanat Esslingen-Nürtingen