
Dr. Claudia Hüfner
Von Claudia Hüfner
Hoffnung nimmt in meinem Beruf breiten Raum ein: Die Hoffnung junger Frauen, schwanger zu sein, oder auch eben nicht schwanger zu sein. Die Hoffnung, ein gesundes Kind zu bekommen. Die Hoffnung, selbst gesund zu sein, oder die Hoffnung kranker Patientinnen, wieder gesund zu werden. Hoffnungen, die ich oft stützen oder auch wecken kann.
Wir brauchen die Hoffnung in unserem Leben, sonst ist es perspektivlos. Die Hoffnung ist eine Motivation, die uns im Alltag trägt. Sie ist aber auch eine Lebenseinstellung, der Glaube, dass das Leben gelingt.
In meinem Beruf erlebe ich ganz intensiv die immer wieder faszinierende Entstehung neuen Lebens, sehe ich, wie der Kreislauf des Lebens weitergeht. Das war für mich ein wichtiger Grund, die Frauenheilkunde als Beruf zu wählen.
„Guter Hoffnung sein“ war früher eine Bezeichnung für Schwangerschaft. Wurde Schwangerschaft damals eher als schicksalhaft empfunden, wissen werdende Eltern heute sehr viel mehr über ihr Kind. Durch Ultraschalluntersuchungen und Pränataldiagnostik kommt zur Hoffnung ein ganz sachlicher Aspekt. Die Möglichkeit, oft schon relativ früh in der Schwangerschaft Störungen in der Entwicklung des Kindes zu erkennen, führt dazu, dass die Frauen von Untersuchung zu Untersuchung immer wieder zwischen Angst und Hoffnung pendeln.
Hier ist es besonders wichtig, der Patientin zur Seite zu stehen, ihr die möglichen Wege aufzuzeigen und somit Hoffnung zu geben. Gerade wenn eine Frau ein krankes oder behindertes Kind erwartet und sich für das Kind entscheidet, versuche ich ihr neben der medizinischen Aufklärung die Hoffnung zu vermitteln, dass auch mit einem kranken Kind ein erfülltes Leben möglich ist. Aber auch Eltern, deren Hoffnung auf ein Kind enttäuscht wird, möchte ich Alternativen aufzeigen, das Leben sinnvoll zu gestalten.
Patientinnen, die krank sind, brauchen die Hoffnung auf Heilung oder Linderung ihrer Beschwerden. Insbesondere Krebspatientinnen wird die Endlichkeit des Lebens bewusst, viele haben Angst vor dem Sterben und dem Tod. Ihnen versuche ich zu helfen, mit der Diagnose „Krebs“ zu leben, eine Perspektive zu geben und dem Krankheitsstadium entsprechend Hoffnung zu vermitteln.
So erlebe ich Menschen in ganz unterschiedlichen Lebensphasen, die getragen werden von Hoffnung. Jugendliche, die Verantwortung übernehmen und sich für andere engagieren, Frauen, die sich für die Familie entscheiden, Angehörige, die ihre sterbenskranke Mutter pflegen. Das gibt mir persönlich, trotz aller Katastrophenmeldungen der Medien, Hoffnung für ein Miteinander in unserer Gesellschaft.
Dr. med. Claudia Hüfner (45) ist Gynäkologin in Esslingen, verheiratet und Mutter von zwei Söhnen im Alter von 9 und 11 Jahren.

Peter Schaal-Ahlers
Von Peter Schaal-Ahlers
„Prosit, neues Jahr!“ wünschen wir uns gegenseitig, wenn wir bei Feuerwerk und Glockengeläut auf das neue Jahr anstoßen. Das Wort Prosit kommt aus dem Lateinischen und heißt: „Es möge nützen bzw. es möge zuträglich sein.“
Die Schwelle vom alten zum neuen Jahr zu überschreiten, ist, obwohl wir uns diese Schwelle eigentlich nur einbilden, ein heikler Übergang. Weil wir nicht wissen, was uns die Zukunft bringen wird, mischen sich Ängste, Befürchtungen, Sehnsucht, Erwartungen und Hoffnungen. Das Feuerwerk, der Lärm der Böller sowie der in Strömen fließende Alkohol verstehe ich als Versuche, diesen Übergang zu meistern.
Am Beginn des Jahres 2009 haben die Menschen allen Grund gute Wünsche auszutauschen, denn die Wirtschaftsprognosen sind düster. In Zeiten der Globalisierung verändert sich die Welt rasant. Jeder weiß, wie zerbrechlich die Welt ist. Trotzdem hofft jeder insgeheim, dass das eigene Leben glücken möge. Im Kleinen hoffen wir, dass die Gesundheit erhalten, die Beziehungen stabil, der Arbeitsplatz gesichert bleibe. Im Großen geht es um Frieden und Gerechtigkeit, Beseitigung des Hungers und die ökologische Herausforderung, vor der die Welt steht.
Christen sind keine Schwarzseher, sondern hoffende Zeitgenossen. Christen hoffen nicht auf ihre eigene Kraft, ihr eigenes Vermögen und den eigenen mühsam eingeredeten Optimismus. Sie leben im Vertrauen auf den unsichtbaren Gott.
Das Hoffen der Christen unterscheidet sich fundamental vom positiven Denken, das heute vielerorts propagiert wird. Die Ideologen des positiven Denkens versprechen maßlosen Erfolg, Glück, Reichtum und immerwährende Harmonie. Der Heilsweg dieser Pseudoreligion ist simpel. Wer seine Gedanken positiv einsetzt, schafft sich das Paradies auf Erden. Positives Denken im Alltag praktiziert ergibt eine seltsame Mischung aus Selbsteinlullung und Selbstüberforderung. Wer scheitert, ist selbst schuld.
Christliche Hoffnung hingegen ist immer angefochtene Hoffnung. Diese Hoffnung vollzieht sich immer in der Spannung des „Schon“ und „Noch nicht“. Schon war der Stern am Himmel von Bethlehem zu sehen, und noch hoffen Christen auf einen neuen Himmel und eine neue Erde. So ist christliche Hoffnung immer auf die Zukunft gerichtet, nicht auf Erlösung in ein goldenes Zeitalter, sondern auf Versöhnung mit der Wirklichkeit. Dazu gehört der Glaube, dass Gott das ganze Leben in seinen Händen hält. Der Dichterpfarrer Eduard Mörike hat diese Hoffnung zum neuen Jahr so ausgedrückt: „In ihm sei's begonnen, der Monde und Sonnen an blauen Gezelten des Himmels bewegt. Du, Vater, du rate! Lenke du und wende! Herr, Dir in die Hände sei Anfang und Ende, Sei alles gelegt!“
Peter Schaal-Ahlers ist Pfarrer für Citykirche und Öffentlichkeitsarbeit im Evangelischen Kirchenbezirk Esslingen