Ein uneitler und humorvoller Großer der Kirchenmusik

Hermann Stern

Der bekannte Kirchenmusiker und spätere Landeskirchenmusikdirektor Hermann Stern lebte von 1945 bis zu seinem Tod 1978 im evangelischen Pfarrhaus von Hohengehren. Dort brachte er sich intensiv in das Leben der evangelischen Kirchengemeinde ein.

 

Ein Beitrag von Ulrike Rapp-Hirrlinger


Am 8. November 1912 wurde Hermann Stern im afrikanischen Abetifi geboren. Sein Vater war Missionar der Basler Mission. Er besuchte das Lehrerseminar und die Kirchenmusikschule in Stuttgart und arbeitete dann als Organist in Ebingen. Nach Hohengehren verschlug es ihn nach Krieg und amerikanischer Kriegsgefangenschaft. Dort lebte seine Schwägerin und bald konnte auch Sterns Familie in Pfarrhaus einziehen.


Hermann Stern unterrichtete Liturgik und Hymnologie an der Hochschule für Kirchenmusik in Esslingen und wurde schließlich Landeskirchenmusikdirektor der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Er organisierte unter anderem große Familiensingwochen, die er jedes Jahr leitete. Er sei vom Dienst an der Kirchenmusik durchdrungen gewesen, ein profunder Bibelkenner und habe für das geistliche Lied gelebt, beschreiben ihn Wegbegleiter. Es entstanden viele Kompositionen, vor allem für Chöre und viele Kanons.


Doch auch in der Hohengehrener Kirchengemeinde engagierte er sich stark, übernahm viele Organistendienste, leitete den Kirchenchor, probte mit Kindern Singspiele, war Mitbegründer des Posaunenchors und viele Jahrzehnte lang Kirchengemeinderat. Auch das Kurrendesingen in der Adventszeit, das es bis heute in Hohengehren gibt, hat Hermann Stern initiiert. „Hermann Stern wurde zum geistlichen Vater der Gemeinde“, erinnert sich der frühere Baltmannsweiler Pfarrer Dr. Willi Hoffmann.


Vielen Bürgern Hohengehrens ist Hermann Stern in guter Erinnerung. So erzählt Robert Zoller (90): „Er war mein bester Freund. Er konnte wunderbar Orgel spielen, außerdem Flöte, Geige, Trompete. Ich habe fast keine Singstunde versäumt. So eine Chorprobe war fast wie ein Gottesdienst, Hermann Stern hat eine sehr gute Bibelkenntnis gehabt. Dabei waren die Proben unterhaltsam.“

 

Die Freude am Singen geweckt

 

Hermann Stern sei ein ausgezeichneter Sänger gewesen und habe jeden falschen Ton gehört, sagt Zoller, damals selbst ein guter Sänger, der oft bei Konzerten mit Hermann Stern im Duett sang. Dem Kirchenmusiker gelang es, die Freude am Singen zu wecken, ohne die Chöre oder die Gemeinde zu überfordern, berichten Zeitgenossen: „Er war eine stets freundliche und offene Persönlichkeit“, erinnern sich Irmgard und Kurt Hörlein und Dorothea Unrath fällt als erstes Hermann Sterns Humor ein. „Die Singstunden waren immer entspannt und fröhlich. Alle sind gern gekommen.“ Dabei seien seine eigenen Vertonungen, die er auch mit dem Kirchenchor einstudierte, nicht immer leicht gewesen. „Es war schon erstaunlich, was er mit dem Dorfkirchenchor geleistet hat“, erinnert sich Unrath.

 

Berührungsängste oder gar Eitelkeiten waren Hermann Stern fremd. Als uneitel und humorvoll beschreibt auch Pfarrerin Johanna Raumer, als Tochter der damaligen Mesnerin in Hohengehren aufgewachsen, den Menschen Hermann Stern. So sei er bei einem Jubiläumsumzug mit den Bläsern des Posaunenchors auf dem Anhänger eines Traktors mitgefahren.
Hermann Stern starb überraschend am 9. Januar 1978, kurz nachdem er in den Ruhestand getreten war. Er ist auf dem Friedhof in Hohengehren begraben. Seine letzte Komposition war ein Kanon zur Jahreslosung 1978: „Suchet den Herrn, so werdet ihr leben.“

 

Weitblickender Kirchenmusiker


Dass Hermann Stern als Kirchenmusikdirektor weitblickend war, betont der Plochinger Bezirkskantor Frank Oidtmann. Bereits 1975 habe Stern betont, dass die Aufgabe eines Kantors nicht allein in der Erarbeitung und Darbietung kleinerer oder größerer Formen innerhalb und außerhalb seiner Gemeindegottesdienste gesehen werden könne, sondern er sich vielmehr um „das verantwortliche und rechte Singen in der Gemeinde“ bemühen müsse.

 

„Diese vor 37 Jahren formulierte Singleiterfunktion eines Kantors mit ihren pädagogischen und pastoralen Herausforderungen ist heute aktueller denn je. ‚Zum Singen bringen‘ ist ein wichtiges Projekt der Landeskirche, das der gesanglichen Verstummung entgegenarbeiten und das Singen für alle Generationen attraktiv gestalten will“, sagt Oidtmann. „Das gemeinsame Singen und Beten in unseren Gemeinden ist es, dem wir als Mitarbeiter in der Kirche dienen und an dem wir uns freuen sollten. Hermann Stern hat uns allen durch seine vorbildliche Erfüllung dieser dienenden Aufgabe ein großes und vielfältiges Beispiel gegeben, an dem wir uns nicht nur orientieren können, sondern das uns auch ermutigt, Gottes Wort immer wieder aufs Neue zum Klingen zu bringen. Denn ‚Aus kleinstem Lied klingt größtes Lob‘.“