Elemente des Kirchenraums für Kinder erklärt

Taufstein und Altar, Kreuz, Orgel und Kanzel aber auch Opferstock und Schwelle gehören zu den zentralen Elementen des Kirchenraums.

Welche Bedeutung sie haben, wird hier in leicht verständlicher Sprache von Pfarrer Peter Schaal-Ahlers erklärt:

Wer eine Kirche besucht, der besucht ein ganz besonderes Haus. „Die Kirche ist das Haus, wo Gott drin wohnt“, hat mir einmal ein Kind in der Kinderkirche gesagt. Das trifft es gut. Und seit Jahrtausenden haben Menschen das auch gehofft. Darum haben sie immer wieder Kirchen gebaut, große Kathedralen und kleine Kapellen, Kirchen in Dörfern und Städten oder einfach an schönen Orten mitten in der Landschaft.

Der Taufstein

Taufstein in der Denkendorfer Klosterkirche

Der Taufstein ist oft ein wenig an der Seite versteckt, sodass man ihn erst einmal suchen muss. Das ist auf den ersten Blick erstaunlich, denn ein Taufstein ist ganz wichtig  in einer Kirche. Am Taufstein feiern Christen die Heilige Taufe. Was eine Taufe ist, besingt das Lied: „Ich bin getauft, weil Gott mir zeigen will, er hat mich lieb.“

Warum steht der Taufstein eher am Rand? Wer getauft ist, gehört  zur Gemeinde Jesu dazu. Der Getaufte darf in die Mitte einer Kirche. Jedenfalls war das früher so. Die Ungetauften durften den Gottesdienst nur von Ferne mitfeiern.

Was die Taufe bedeutet, wird im Taufstein deutlich. Einen ganz schönen Taufstein gibt in Reutlingen in der Marienkirche. Er ist über 500 Jahre alt und sehr kunstvoll behauen. Auf ihm ist unteranderem die Taufe Jesu dargestellt. Zu sehen ist Jesus, der kniet und neben ihm steht Johannes der Täufer und gießt Wasser über Jesu Kopf. Über den Männern kann man noch einen Vogel erkennen. In der Bibel wird berichtet, dass Jesus im Fluss Jordan getauft wurde. Während seiner Taufe öffnete sich der Himmel und Gottes guter Geist kam wie eine Taube aus dem Himmel. Dazu war eine Stimme zu hören, die sagte: „Du bist mein lieber Sohn, dir gilt meine Liebe, dich habe ich erwählt.“ In der Taufe verspricht Gott: Du gehörst jetzt für immer zu mir und ich zu dir.

 
Im Auftrag von Jesus

An keiner Stelle steht in der Bibel, dass Jesus selbst getauft hat. Aber als er seine Freunde verlassen hat, hat er gesagt:  „Geht in alle Welt. Erzählt allen Menschen von Gott und von mir. Und wenn die Menschen mir und Gott vertrauen, so taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Bis heute handeln Christen, wenn sie taufen, also in Jesu Auftrag.

Zunächst hatten Christen noch keine Kirche und auch keine Taufsteine. Sie haben unter freiem Himmel in Flüssen, an Quellen oder Seen getauft. Dabei wurden die Täuflinge im Wasser ganz untergetaucht. Das macht Angst. Wie froh ist jeder, wenn er wieder an die Wasseroberfläche kommt. Er fühlt sich wie neu geboren. So ist es auch mit der Taufe. Sie ist der Beginn eines neuen Lebens mit Gott. Dies drücken auch die acht Ecken aus, die fast alle Taufsteine haben. Sieben Tage hat die Woche, weil Gott die Welt in sieben Tagen geschaffen hat. Der achte Tag ist der Tag, an dem Gott neues Leben schafft wie am Ostermorgen.

Meist werden heute Säuglinge zur Taufe gebracht. Manchmal möchten aber auch Schulkinder oder Erwachsene getauft werden. Sie kommen selber zum Taufbecken und sprechen auch für sich selbst. Bei Babys ist das anders. Bevor sie getauft werden, werden Eltern und Paten gefragt, ob sie möchten, dass ihr Kind getauft wird und ob sie ihr Kind christlich erziehen wollen. Das heißt, dass sie ihm biblische Geschichten erzählen, mit ihm beten und die Fragen des Kindes beantworten.

Im Mittelpunkt der Taufe steht das dreimalige Begießen des Kopfes mit Wasser. Dazu nennt die Pfarrerin oder der Pfarrer den Namen des Täuflings, zum Beispiel: „Lisa, ich taufe dich  auf den  Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“  Danach spricht der Pfarrer den Taufsegen: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ Jeder Täufling bekommt ein Bibelwort als Taufspruch.

Dass Gott jeden Getauften behütet, ist ein großer Trost, besonders, wenn man Angst im Leben hat. Die Taufkerze erinnert Christen daran, dass Gott das Leben hell macht, weil er stärker als der Tod ist. Getaufte sind nicht allein. Sie gehören zu Gott und haben in der großen Familie der Gemeinde Jesu viele Brüder und Schwestern. Mit ihnen sind wir durch die Taufe verbunden. Uns alle behütet Gott, Gott sei Dank!

Der Altar

Altar in der Martinskirche Oberesslingen

Der Altar hat seinen Platz  mitten in der Kirche, weil er das Zentrum des Gottesdienstes ist. Um ihn hervorzuheben, steht er auf einem Sockel. So können auch die, die hinten in der Kirche sitzen oder klein sind, den Altar gut sehen. Altar heißt ursprünglich „Opfertisch“. Vor vielen hundert Jahren wurden dort Speisen und Tiere geopfert.

Auf dem Altar liegt eine weiße Decke, darauf  eine aufgeschlagene Bibel. Daneben stehen Kerzen, die während des Gottesdienstes angezündet werden. Auch ein Kreuz ist zu sehen. Oft hat die Mesnerin auch Blumen auf den Altar gestellt.

Der Altar soll immer zum Jahreslauf und zum Thema des Gottesdienstes passen. Häufig hängt vorn auch ein buntes Tuch, das kunstvoll gestaltet ist. Dieses Tuch nennt man Parament. Wörtlich übersetzt heißt Parament „den Tisch bereiten.“ An jedem Sonntag wird der Tisch anders bereitet, die Farben wechseln im Lauf des Kirchenjahrs.

Daran kann man erkennen, welchen Inhalt ein Sonntag hat: Weiß, die Farbe des Lichtes, wird an Ostern und Weihnachten geschmückt. Violette Paramente werden im Advent und in der Passionszeit an den Altar gehängt. Rot ist die Farbe der Kirche. Dann gibt es auch noch Grün und Schwarz.

Alles hat seine Zeit

Ein Höhepunkt des Jahres ist für den Altarschmuck das Erntedankfest. Da wird der Altar mit Kartoffeln, gelben Rüben, Nüssen und Äpfeln, Brot und Wein, Saft  und Kraut geschmückt. Jeder kann am Altar sehen, was das Erntedankfest bedeutet: Wir danken Gott für die Lebensmittel, die er geschenkt hat.

Die Bibel auf dem Altar verdeutlicht, dass die Bibel in der Kirche im Mittelpunkt stehen soll. Entscheidend ist, dass die Bibel auf dem Altar immer aufgeschlagen ist. Denn nur so wirkt die Bibel. Es reicht nicht, eine Bibel im Schrank stehen zu haben. Sie will gelesen, gehört und verstanden werden. Darum werden in jedem Gottesdienst die biblischen Geschichten vorgelesen. Im Hören auf Gottes Wort sind Christen mit Gott im Alltag unterwegs.

Auf dem Altar stehen an manchen Sonntagen ein Kelch und ein Brotkorb. Dann wird im Gottesdienst das Heilige Abendmahl gefeiert. Damit erinnern wir an Jesus, seinen Tod und seine Auferstehung. Das Heilige Abendmahl heißt so, weil Christen glauben und hoffen, dass Gott in Brot und Wein  ist. Er lässt sich schmecken und trinken.

Die Feiernden sagen zunächst feierlich, woran sie glauben. Dann spricht der Pfarrer Gebete und erinnert an das letzte Abendessen, das Jesus mit seinen Jüngern hatte. Danach gibt er jedem ein kleines Stück Brot und sagt: „Nimm und iss vom Brot des Heils.“ Beim Austeilen des Weins sagt er: „Nimm und trink vom Kelch des Heils.“ Das Abendmahl ist ein Vorgeschmack auf das Reich Gottes.

Nach dem Abendmahl wird gebetet – am Altar. Es beginnt meist so: „Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen“ (Psalm 103,1ff.). Neben dem Dankgebet gibt es auch die Klage und das Fürbittengebet. In diesen Gebeten werden Gott Menschen genannt, die Hilfe brauchen. So beten Christen für Kranke, Gefangene, Sterbende, Hungernde, Verzweifelte und auch hochmütige und böse Menschen. Das alles geschieht am Altar – im Zentrum der Kirche.

Die Schwelle

Lettner in der Esslinger Stadtkirche

Kirchen haben oft besonders schöne Türen und eine Türschwelle aus Stein. Tritt man über diese Schwelle, so öffnet sich eine andere Welt.

Eine Schwelle zu überschreiten, ist etwas Besonderes. Das gilt auch im übertragenen Sinn: Der erste Tag im Kindergarten oder in dere Schule ist ein großer Schritt über eine Schwelle. Neugier, Vorfreude und manchmal auch ein wenig Angst sind dabei, wenn man eine Schwelle  übertritt.

Im Inneren der Kirchen gab es früher Schwellen, die man nicht überschreiten durfte. Manche Bereiche durften einfache Christen nicht betreten, sie waren nur für die Priester zugänglich. Getrennt wurden diese Bereiche durch Zäune aus Metall, Holz oder Stein. Solch einen Zaun nennt man „Lettner". Heute spielen diese Schranken in der evangelischen Kirche keine Rolle mehr. Alle Christen sollen zu Gott kommen. Alle sind eingeladen.

Ein besonderer Geruch

Im Inneren einer Kirche ist es oft dunkler als draußen. Manchmal leuchten die Kirchenfenster in prächtigen Farben. Morgens ist das Licht besonders schön. Auch der Geruch einer Kirche unterscheidet sich von den Gerüchen draußen. Es riecht nach Stein und Holz, manchmal auch nach dem Blumenschmuck oder Putzmitteln. In katholischen Kirchen kann es nach einem Festgottesdienst auch stark nach Weihrauch riechen.

Eine Kirche ist ein ganz besonderer Ort. Es ist gar nicht so leicht zu beschreiben, warum ein Kirchraum anders ist als eine Markthalle, ein Kaufhaus oder eine Sporthalle. Ein Gelehrter hat gesagt, dass Kirchen Fremdlinge in der Welt der Menschen sind. Kirchen sind Fremdlinge, weil sie sich von allen anderen Gebäuden um sie herum unterscheiden. In fast  jedem Haus wird etwas verkauft, vermietet, verwaltet oder hergestellt. Eine Kirche hat so gesehen keinen Zweck.

Die Kirchen, die mitten in der Stadt stehen, erinnern daran, dass man die wesentlichen Dinge im Leben nicht mit Geld kaufen kann. Menschen haben Kirchen nicht für sich selbst, sondern für Gott gebaut. Mitten in unseren Städten sind Kirchen einfach da, gebaut, um Gott zu loben, schön und bunt, einladend für Gäste von nah und fern.

Viele gehen in eine Kirche, weil sie dort mitten im Alltag Pause machen können. Der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch hat es so gesagt: „Die Kirche ist für mich das Haus Gottes, und das ist auch mein Haus. Ich kann mich sogar in die Kirche flüchten. Dort ist ein Platz für alle, und dort wird ihnen auch Schutz gewährt. Und dort fühl ich mich auch zu Hause, muss ich sagen, vor allem, wenn ich allein bin.“

Erinnerung an die Taufe

Die meisten Besucher einer Kirche sprechen im Inneren automatisch leiser als draußen. Sie spüren, dass die Kirche ein Ort ist, der anders ist. Männer nehmen ihre Hüte oder Mützen ab. Katholische Christen haben sogar ein Ritual, das sie jedes Mal machen, wenn sie in eine Kirche hinein- oder hinausgehen: Sie tauchen ihre Finger in die Weihwasserschale, die neben der Eingangstür an der Wand angebracht ist. Mit den befeuchteten Fingern schlagen sie dann ein Kreuzzeichen. Sie tun dies, indem sie nacheinander ihre Stirn, die Brust, die linke und dann die rechte Schulter berühren. Mit diesem Zeichen erinnern sie sich selbst an die Heilige Taufe. Sie sagen damit: „Lieber Gott, ich gehöre zu dir, jetzt bin ich da.“

Auch evangelische Christen kennen einen besonderen Ritus, wenn sie zum Gottesdienst gehen. Bevor sie sich in die Kirchenbank setzen, sprechen sie im Stehen ein stilles Gebet. Dabei senken sie den Kopf und schließen die Augen. Ein solches Gebet könnte so gehen: „Himmlischer Vater, jetzt bin ich hier. Ich will jetzt still werden und mich öffnen. Ich hören, was du mir zu sagen hast. Dir vertraue ich. Bringe mich wieder zurecht und mache mein Leben neu. Amen.“

Der Opferstock

Opferstock in der Franziskanerkirche Esslingen

An der Wand neben der Kirchentüre ist meist ein Kasten mit einem Schlitz angebracht.

Dieser Schlitz ist so groß, dass man Münzen oder Scheine hineinwerfen kann, aber auch so klein, dass man das eingeworfene Geld nicht mehr herausfischen kann. Man nennt diese an der Wand hängenden Spardosen in der Kirche Opferstöcke.

Wie kommt es zu diesem etwas seltsamen Wort? Ganz einfach: Opfern heißt ursprünglich „Gott eine Gabe darbringen“. Und weil Opferstöcke ganz früher aus einem ausgehöhlten Baumstamm gemacht wurden, ist das Wort „Stock“ in diesem alten Wort erhalten geblieben.

Mit Opferstöcken wird in der Kirche Geld gesammelt, das freiwillig gegeben wird. 

Manche Menschen sind sehr großzügig, andere geben sehr ungern etwas von ihrem Geld ab. Ob jemand geizig ist oder freigiebig ist, hat wenig damit zu tun, wie viel Geld einer hat. Sehr deutlich sagt Jesus, dass die Reichen ihren Reichtum nicht für sich alleine genießen sollen. Er will, dass die Reichen von ihrem Geld den Armen etwas abgeben sollen.

Einmal hat er mit seinen Jüngern reiche Menschen beobachtet, die Geld in den Opferstock warfen. Wenig später kam eine arme Witwe, die legte eine ganz kleine Münze in den Opferstock. Da sagte Jesus: „Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr als sie alle eingelegt. Denn die Reichen alle haben etwas von ihrem Überfluss in den Opferstock getan. Die arme Witwe aber hat alles gegeben, was sie zum Leben hatte.“ (Lukas 21,1ff.)

Gebete und Geld

In jedem Gottesdienst wird immer auch Geld gesammelt. Das hat einen tiefen Grund. Denn, wenn Menschen im Namen Gottes zusammenkommen, dann bewegt sich etwas. Menschen werden von Gott verändert. Sie tun Gutes.

Am Ende des Gottesdienstes wird für das Opfer vom letzten Gottesdienst gedankt und gesagt, wofür heute gesammelt wird - etwa für die Aktion „Brot für die Welt“ oder für Wohnungslose. Wofür gesammelt wird, entscheidet der Kirchengemeinderat. Nach dem Gottesdienst  wird der Opferstock geleert, damit keiner das Geld stehlen kann.

Ärger um Tetzel

Vor 500 Jahren hat es  großen Ärger wegen des Opferstocks gegeben. Der Prediger Johann Tetzel zog durch die Lande und zog allen Leuten das Geld aus der Tasche. Zuerst machte Tetzel den Menschen Angst vor Gott. Dann sagte er, dass sie sich mit Geld Gott zum Freund machen könnten. Er verkaufte Ablassbriefe. Diese Briefe sollten beweisen, dass man jetzt Gott zum Freund hat. Tetzel rief: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt.“

Das machte Martin Luther sehr wütend. Er nannte Tetzel einen Lügner. Luther sagte, dass man Gott nicht kaufen kann. Gott will, dass Menschen bereuen, was sie falsch gemacht haben. Gott will, dass Menschen umkehren, wenn sie falsche Wege gegangen sind. Aber man kann Gottes Liebe nicht kaufen. Martin Luther wollte, dass die Menschen freiwillig Gutes tun und die Armen unterstützen. Es ist ein schönes Gefühl, etwas zu abzugeben. Auch Kinder erleben das schon im  Kindergottesdienst. Mit ihren Gaben verändern so viele kleine Leute an vielen Orten das Gesicht der Welt.

Die Orgel

Orgel in der Franziskanerkirche Esslingen - Foto: P. Köhle

Die „Königin der Instrumente“ wird die Orgel genannt. Ob klein oder groß, sie darf in keiner Kirche fehlen. Manche Menschen sagen, dass eine Orgel überirdische Klänge von sich geben kann. Obwohl eine Orgel nur von einem Menschen gespielt wird, kann sie so laut sein wie ein ganzes Orchester.

Die größten Orgeln der Welt haben über 10000 Orgelpfeifen. Die Orgel des Ulmer Münsters hat immerhin 8900 Pfeifen. Mehrere Tonnen Metall braucht man, um solch eine große Orgel zu bauen. Dazu muss man einen kleinen Mischwald fällen, um das Holz für den Orgelbau zu gewinnen. Orgeln zu bauen ist eine große Kunst. Jede Orgel wird in Handarbeit gefertigt, denn eine Orgel muss auf den  Kirchraum abgestimmt werden, in dem sie steht. Im Winter darf es in der Kirche nicht zu kalt werden. Sonst kann es passieren, dass sich das Holz verzieht und die Orgel verstimmt und heult.

Als „Königin der Instrumente“ bezeichnet man die Orgel, weil es auf der Welt kein größeres Instrument gibt, das von einer einzigen Person gespielt werden kann.

Der Organist oder die Organistin sitzt an einem so genannten Spieltisch. Dieser Spieltisch erinnert ein wenig an ein Klavier, weil es dort auch weiße und schwarze Tasten gibt. Meist sind bei der Orgel aber mehrere Tastenreihen übereinander. Die Tastenreihen für die Hände nennt man Manuale. Dazu gibt es auch noch das Pedal. Das sind Tasten für die Füße. Die Orgelpfeifen sind aus Holz oder Metall und klingen sehr unterschiedlich.

Meistens stehen Orgeln auf der Empore einer Kirche, damit man den Klang überall in der Kirche gut hören kann. Jede Orgel hat neben den Manualen am Spieltisch auch noch Hebel und Knöpfe. Damit können verschiedene Register gezogen werden. Dadurch werden verschiedene Pfeifen geblasen, und deshalb klingt die Orgel ganz unterschiedlich. Sie kann wie eine Flöte, eine Trompete oder eine Klarinette klingen. Helle und dunkle, spitze und scharfe Töne können mit der Wahl der Register ausgewählt werden. Bevor eine Organistin zu spielen beginnt, muss sie erst einmal die richtigen Register ziehen. Das muss blitzschnell gehen.

Töne aus dem Inneren

Ein kleiner Teil der Pfeifen ist meist sichtbar. Oft ist diese Vorderansicht der Orgel kunstvoll gestaltet. Diese Schauseite nennt man den Orgelprospekt. Ganz oben auf dem Orgelprospekt in der Stadtkirche in Esslingen etwa sieht man eine Figur, die Harfe spielt. Es ist König David, der Urvater der Kirchenmusik.

Im evangelischen Gottesdienst spielt die Orgel eine ganz herausragende Rolle. Nach dem Läuten der Glocken beginnt der Gottesdienst mit dem Vorspiel der Orgel. Dann werden die Kirchenlieder von der Orgel begleitet. In anderen Kirchen spielt die Orgel keine Rolle. Zum Beispiel kennen die orthodoxen Kirchen in Russland und Griechenland keine Orgel. Dort singen Männer in mehrstimmigen Chören ohne Begleitung. Bei uns wird die Orgel auch außerhalb des Gottesdienstes gespielt, etwa bei Orgelkonzerten.

Wie entstehen die Töne beim Orgelspiel?

Ähnlich wie bei einer Flöte wird in eine Orgelpfeife Luft geblasen. Zu jeder Pfeife führt ein Luftkanal. Während die Flöte mit dem Mund geblasen wird, hat die Orgel dafür eine Windmaschine. Heute wird diese mit Hilfe eines Elektromotors betrieben. Früher mussten Menschen einen Blasebalg treten, um den Wind für die Orgel bereitzustellen. Man nannte sie Bälgetreter. Das Bälgetreten war anstrengend. Doch so konnte  man auch ohne elektrischen Strom Orgel spielen.

Die Kanzel

Kanzel in der Klosterkirche Denkendorf

Wenn man in eine Kirche hineingeht, kann man oft nur schwer erkennen, ob es sich um eine katholische oder eine evangelische Kirche handelt. Riecht es nach Weihrauch, finden sich am Eingang Weihwasserschalen oder brennt vorne ein Ewiges Licht, eine Kerze hinter rotem Glas, dann ist es ziemlich sicher eine katholische Kirche.

Gibt es  stattdessen eine gut sichtbare Kanzel in der Mitte des Kirchraums, so ist diese Kirche wahrscheinlich eine evangelische Kirche. Die Kanzel ist das Markenzeichen der evangelischen Kirche. Hier halten die Pfarrerinnen und Pfarrer etwa in der Mitte des Gottesdienstes ihre Predigt.

Das Wort predigen kommt aus dem Lateinischen und heißt wörtlich übersetzt: „feierlich sagen, ausrufen, verkündigen“. Predigen heißt vor allen über das sprechen, was in der Bibel geschrieben ist. In der Bibel gibt es viele Geschichten, die das Leben deuten. Jesus war ein guter Prediger. Er hat seinen Freunden Geschichten und Gleichnisse erzählt, die sie sehr berührt und aufgewühlt haben.

Seinen Freunden und Jüngern hat Jesus den Auftrag gegeben, anderen Menschen von Gott zu erzählen. So wurde bis heute die gute Nachricht von Gottes Liebe von Generation zu Generation weitergegeben. Dieses Weitersagen des Evangeliums geschieht in jeder Predigt. Alle Gäste, die zum Gottesdienst gekommen sind, sollen durch eine Predigt angesprochen werden.

Das Thema der Predigt ist Gott – und nichts anderes. An jedem Sonntag wird ein anderer Bibeltext ausgelegt. Welcher Text wann dran ist, bestimmt eine Ordnung, die alle sechs Jahre wiederholt wird. So wird auch verhindert, dass die Pfarrer immer nur ihre Lieblingstexte predigen.

Wer darf auf einer Kanzel predigen?

Auf einer Kanzel darf der Pfarrer oder die Pfarrerin predigen, die dort als Pfarrer gewählt und eingesetzt wurden. Jeder Ortspfarrer darf also bestimmen, wer auf „seiner“ Kanzel predigen darf. Damit die Pfarrer nicht hochmütig werden, gibt es in der Sakristei eine Tafel, auf der alle, die in einer Gemeinde als Pfarrer wirkten, aufgeschrieben sind. So kann jeder Pfarrer, wenn er sich auf den Gottesdienst vorbereitet, sehen: Ich bin nur einer unter vielen. Auch der Pfarrer auf der Kanzel ist ein Gast.

Die Kleidung auf der Kanzel

Pfarrer haben im Gottesdienst ein schwarzes langes Kleid, das Talar genannt wird, an. Am Kragen sind an dem Talar zwei weiße Schwänzchen, die Beffchen genannt werden, befestigt. Das Beffchen war zu früheren Zeiten ein Schutz. Da die Männer ihre Bärte puderten, sollten die Beffchen verhindern, dass der Talar verschmutzt. Hat ein Pfarrer einen Talar an, dann weiß jeder: Er spricht jetzt nicht als Privatmann, sondern er ist von der Kirche zum Predigen beauftragt.

Neben den Pfarrern, die von der Kanzel predigen, gibt es in der evangelischen Kirche aber auch Lektorinnen oder Lektoren. Sie tragen keinen Talar. Trotzdem sind sie gleichwertige Verkündiger auf der Kanzel. Das Wort Lektor ist lateinisch und heißt übersetzt „Vorleser“. Lektoren sind Frauen oder Männer, die im Predigen ausgebildet wurden. Sie leiten den Gottesdienst und bekommen eine Predigtvorlage. Das Wirken der Lektoren zeigt, dass in der evangelischen Kirche jeder Getaufte den Auftrag hat, die Nachricht von Gottes Erbarmen in der Welt zu bezeugen.

Warum haben viele Kanzeln ein Dach?

Kanzeln, die schon Jahrhunderte alt sind, haben meist ein Dach. Dieses Dach nennt man den Schalldeckel. Durch den Schalldeckel kann man die Worte, die von der Kanzel gesprochen werden, besser verstehen. Das war früher sehr wichtig, denn es gab damals keine Mikrophone, Verstärker und Lautsprecher. In vielen Kirchen gibt es Extraplätze für Menschen, die ein Hörgerät haben.

Die Schreiner und Maler haben die Schalldeckel  meist sehr kunstvoll gestaltet. Oft findet sich darauf  der auferstandene Christus. Jeder kann sehen: Hier werden Worte des ewigen Lebens gesagt. Manchmal ist auch eine Taube  zu sehen. Sie ist das Zeichen des Heiligen Geistes. Es besagt, dass Gott selbst durch die Worte von der Kanzel wirkt.

Das Kreuz

Kruzifix in St. Dionys Esslingen

Das Kreuz ist das zentrale Symbol des Christentums. Fast in jeder Kirche gibt es ein Kreuz. Meist kann man sogar viele Kreuze in einer Kirche entdecken. Fast auf jedem Altar in Württemberg steht ein Kreuz. Oft ist die Kreuzigung Jesu auf einem großen Gemälde dargestellt. Kreuze findet man auch in Glasfenstern, auf Abendmahlskelchen, an der Wand der Kirche, oder auf den Paramenten. Paramente sind kunstvoll gestaltete Stoffbehänge, die an der Kanzel oder dem Altar angebracht sind. Auch auf Gesangbüchern, Osterkerzen, Taufkerzen und Bibeln sind oft Kreuze zu sehen.

Die vielfältigen Formen des Kreuzes beschreibt die Broschüre "Esslinger Fundstücke"

Heute ist das Kreuz das wichtigste Symbol der Christen in unserem Land. Das war aber nicht immer so. In den ersten Jahrhunderten kannten die Christen überhaupt keine Kreuze. Bei Ausgrabungen hat man weder in Häusern der frühen Christen noch in den Katakomben, den ersten Versammlungsräumen der Christen, Kreuze gefunden. Stattdessen kann man auf Wandmalereien den Propheten Jona, Brote und Fische finden. Erst im Jahr 431 wurde das Kreuz offiziell als Symbol der Christen eingeführt.

An was erinnert das Kreuz?

Das Kreuz erinnert an Jesus von Nazareth. Mit großem Jubel zog dieser großartige Mensch vor fast 2000 Jahren nach Jerusalem ein. Bald schon wurde er verhaftet, weil einer seiner Freunde ihn verraten hatte. Er wurde vor Gericht gestellt, und schließlich zum Tode verurteilt. Außerhalb der Stadtmauern Jerusalems auf dem Berg Golgatha wurde Jesus zusammen mit zwei Schwerverbrechern ans Kreuz genagelt. Nach seinem Tod wurde er in einem Felsengrab beerdigt. Die Freunde und Freundinnen Jesu waren natürlich sehr traurig. Für sie war Jesus nicht nur ein Mensch, sondern der Heiland, der Retter der Welt.

Als die Frauen am Morgen des dritten Tages sein Grab aufsuchen wollten, war das Grab geöffnet. Ein Engel erzählte den Frauen, dass Jesus auferstanden sei. Mehrfach hat der auferstandene Jesus seine Freunde besucht. Der ungläubige Thomas konnte nicht glauben, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Darum ließ ihn Jesus sogar seine Wunden berühren.

Das Kreuz steht für den  traurigsten Augenblick im Leben Jesu. Aber das Kreuz ist nicht das Ende. Gott weckt Jesus von den Toten auf. Mit dem Siegesruf: „Er ist erstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“ feiern die Christen an Ostern den Sieg des Lebens. Christen hoffen, dass nicht der Tod das letzte Wort hat, sondern das Leben.

39 Tage nach Ostern verabschiedet sich Jesus von seinen Freunden. Er geht wieder zu seinem Vater im Himmel. „Er sitzt zur Rechten Gottes“ heißt es im Glaubensbekenntnis. Der Platz neben Gott zeigt, dass Jesus nun so mächtig wie Gott ist.

Verschiedene Deutungen des Kreuzes

Es gibt Kreuze, die nur aus zwei Balken bestehen, und Kreuze, auf die eine Jesusfigur aufgenagelt ist. Diese Kreuze nennt man Kruzifixe.

Bei Kruzifixen kann man zwei Grundarten unterscheiden: die romanische und die gotische Kruzifixdarstellung. Sie stammen aus verschiedenen Jahrhunderten. Der romanische Jesus wird mit ausgebreiteten Armen, Füßen nebeneinander, offenen Augen und erhobenen Kopf dargestellt. Zudem hat er eine Krone auf dem Kopf. Der Gekreuzigte ist hier als der Todbesieger, der Machtvolle, der Herrscher und Held dargestellt.

Ganz anders dagegen der spätere, gotische Jesus. Er ist von seinen Schmerzen gezeichnet. Sein Kopf ist geneigt, sein Leib ist verkrümmt. Blutige Wunden sind zu sehen. Seine Beine sind überkreuzt. Statt einer Krone hat er eine Dornenkrone auf seinem Haupt. Beim gotischen Christus wird der leidende Jesus dargestellt.

Die Menschen sahen Jesus als den leidenden Gottesknecht, dessen Leiden die Menschen retten und befreien. Gott schickt seinen Sohn auf die Erde. Er wird Mensch. Er stirbt am Kreuz und rettet so die Menschen. Der christliche Glaube weiß, dass wir Menschen uns nicht selbst retten können. Das Kreuz zeigt uns, dass wir gerettet sind durch Gottes Liebe.

Texte: Peter Schaal-Ahlers

Fotos: Peter Köhle, Ulrike Rapp-Hirrlinger, Peter Schaal-Ahlers