26.06.18

Bernd Schönhaar

Pfarrer Bernd Schönhaar wechselt nach 13 Jahren in Köngen an die Bonhoeffer-Kirchengemeinde in Ostfildern.

Pfarrer Bernd Schönhaar in der Peter- und Paulskirche in Köngen

„Nach 13 Jahren wird es Zeit zu wechseln“, sagt Bernd Schönhaar, seit 2005 Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Köngen. Im September wird er eine Pfarrstelle in der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde in Ostfildern übernehmen. Das tut er nicht, weil er sich in Köngen nicht wohlfühlt – im Gegenteil: „Das ist eine Gemeinde, die eine große Bandbreite an Frömmigkeitsstilen aufweist und in der sich viele Menschen ehrenamtlich engagieren. Es waren erfüllte Jahre in Köngen“, so Schönhaar.

Doch er weiß auch: „Man hat als Pfarrer nie alle Gemeindemitglieder im Blick.“ Es tue einer Kirchengemeinde zudem gut, sich immer wieder mal neu zu orientieren. Und noch einen Grund gibt es, warum der 53-Jährige Köngen verlässt: „Nochmal 13 Jahre wären einfach zu viel.“ So lange ist es, bis er in den Ruhestand geht. Zudem hat Sohn Jonas inzwischen die Schule abgeschlossen.

Geschichtsträchtiges Pfarrhaus

Die 13 Jahre in Köngen hat Bernd Schönhaar als bereichernd empfunden. 2005 trat er die Stelle gemeinsam mit seiner Frau Margund Ruoß an. Diese wechselte 2009 als Studienleiterin ans Pfarrseminar nach Stuttgart-Birkach und leitet inzwischen das Referat für Stellen- und Personalangelegenheiten im Oberkirchenrat  in Stuttgart. In einem so geschichtsträchtigen Pfarrhaus wie dem Köngener zu wohnen, hätten sie beide als Privileg empfunden, sagt Schönhaar. Lebte dort doch während des Nationalsozialismus die Pfarrfamilie Stöffler, die verfolgten Juden Unterkunft gewährte. Erst vor kurzem hat Schönhaar eine der Töchter, Ursula Stöffler, für einen Abend nach Köngen eingeladen.

Eine große Aufgabe in Köngen war die Sanierung der Peter- und Paulskirche, aber auch die Erstellung eines Immobilienkonzepts und der Umbau des Schulberggebäudes. Dabei kam Schönhaar zu Gute, dass er Erfahrung im elterlichen Holzhandel gemacht und eine Ausbildung zum Groß- und Einzelhandelskaufmann absolviert hatte. Doch die Baueinsätze bescherten ihm auch ganz neue Kontakte: „Es halfen plötzlich Leute mit, die ich zuvor gar nicht wahrgenommen hatte.“ Die Frage, wie man Menschen fürs Ehrenamt gewinnen kann, treibt den Pfarrer um. Eher Projekte als langfristiges Engagement seien heute gefragt.

Gemeindepfarrer mit Leib und Seele

Vor allem auch junge Menschen will Schönhaar für den Glauben begeistern. Mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden stellte der begeisterte Musiker jedes Jahr eine Band auf die Beine und initiierte auch andere Bands, die bei kirchlichen Anlässen spielen. Besondere Freude habe ihm auch das Kirchenkino gemacht, bei dem „ganz normale“ Filme gezeigt wurden, deren spirituelle Dimension er dann in der sonntäglichen Predigt ausleuchtete. Auch wenn er zugibt, dass die viele pfarramtliche Verwaltungsarbeit mit zum Teil kniffligen rechtlichen Fragen nicht so sein Ding ist, schlägt Schönhaars Herz für das Gemeindepfarramt mit seiner großen Bandbreite an Aufgaben: „Ich kann alles, aber nichts richtig“, meint er selbstironisch. „Es wird nie langweilig.“ Deshalb erwog er nie einen Abschied vom Gemeindepfarramt.

Wechsel in eine städtisch geprägte Gemeinde

Mit Köngen verlasse er eine Gemeinde, in der die Kirche noch mitten im Dorf sei. Deshalb sei für ihn klar gewesen: „Ich kann nur in eine Gemeinde gehen, die komplett anders ist.“ In Ostfildern ist er für die Stadtteile Parksiedlung und Scharnhauser Park zuständig. Die Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde ist städtisch geprägt, jünger und nicht so gewachsen wie Köngen. Aber es ist auch keine einheitliche Gemeinde: Die Kirche steht in der Parksiedlung, im Scharnhauser Park gibt es das Sophie-Scholl-Haus. „Es wird spannend zu sehen, welche Stellung die Kirche dort hat und wie man sie vor allem im neuen Stadtteil Scharnhauser Park sichtbar machen kann.

An seiner neuen Gemeinde gefällt Schönhaar vor allem das Bekenntnis, eine liberale, offene Gemeinde sein zu wollen. „Da kann man sicher viel machen“, ist er überzeugt. Und er freut sich, dass die Kirchengemeinde angesichts vieler junger Familien die Kinder und Jugendarbeit verstärken will. Berührungsängste kennt der Theologe nicht. Sich selbst charakterisiert er so: „Ich bin der typische Allrounder, der es mit vielen kann.“ Auch dass in den nächsten Jahren die Fusion mit der Nellinger Kirchengemeinde ansteht, findet er gut.

Seit einem Jahr unterrichtet Bernd Schönhaar am Nellinger Otto-Hahn-Gymnasium Religion an der Oberstufe. Sein Schulweg wird künftig wesentlich kürzer sein.

Verabschiedung am 22. Juli

Am Sonntag, 22. Juli findet um 10 Uhr der Abschiedsgottesdienst für Pfarrer Bernd Schönhaar mit Dekan Bernd Weißenborn in der Peter- und Paulskirche in Köngen statt. Anschließend gibt es bei einem Grillfest rund um die Kirche Gelegenheit, sich von Pfarrer Schönhaar und seiner Familie persönlich zu verabschieden. Am 10. September beginnt er seinen Dienst in Ostfildern. Der Investiturgottesdienst ist am 23. September um 10 Uhr in der Bonhoeffer-Kirche in der Parksiedlung.