01.04.20

Reichenbach

Pfarrer Siegfried Häußler wechselt von Reichenbach nach Metzingen an die Friedenskirche.

Eine lange Zeit im Evangelischen Kirchenbezirk Esslingen geht zu Ende: Nach 23 Jahren als Pfarrer in den evangelischen Kirchengemeinden Hohengehren und Reichenbach wechselt Pfarrer Siegfried Häußler nach Metzingen.

Einerseits sei es nach elf Jahren als geschäftsführender Pfarrer an der Reichenbacher Mauritiuskirche Zeit für einen Wechsel, andererseits passe auch die familiäre Situation, sagt Häußler. Die drei Söhne sind erwachsen und gehen inzwischen eigene Wege.

Der Abschied von Reichenbach ist für den 55-Jährigen nicht ohne Wehmut. „Hier ist manches Gute gewachsen. Es war ein sehr vertrauensvolles Zusammenarbeiten mit meiner Kollegin und dem Kirchengemeinderat.“ Andererseits habe die Verwaltungsarbeit als geschäftsführender Pfarrer viel Zeit in Anspruch genommen. Jetzt wünsche er sich eine Stelle, wo er sich mehr auf inhaltliche Dinge konzentrieren könne. Die hat er an der Friedenskirche in Metzingen gefunden. Es ist eine Pfarrstelle, mit der keine Geschäftsführung verbunden ist.

Siegfried Häußler war von 1997 bis 2009 Pfarrer in Hohengehren und wechselte dann nach Reichenbach. Die Jahre an der Mauritiuskirche waren nicht nur von etlichen Bauprojekten mit Renovierungen an den Kirchen und dem Paul-Schneider-Haus geprägt, sondern auch von Strukturveränderungen. Allen voran die im Jahr 2013 abgeschlossene Fusion von Siegenberg- und Mauritiuskirchengemeinde. Dieser Prozess habe viel Überzeugungsarbeit erfordert und viel Arbeitskraft gebunden, erinnert sich Häußler. Weil die Zahl der Mitglieder der Kirchengemeinde mit derzeit 2850 Evangelischen unter 3000 sank, gab es weniger Zuschüsse für die Kindergartenarbeit. Mit der Folge, dass 2014 das Kinderhaus Kunterbunt abgegeben werden musste. „Das war sehr schmerzlich. Es gab viele Widerstände", sagt Häußler.

Strukturelle Veränderungen fordert auch der Pfarrplan. Bis 2024 fällt die bisherige halbe Pfarrstelle an der Siegenbergkirche weg. „Wir werden enger mit Lichtenwald zusammenarbeiten“, erklärt Häußler. Schon jetzt halte man etwa den Konfirmandenunterricht gemeinsam. Eine Zukunftsaufgabe werde auch sein, junge Familien stärker für die Kirche zu gewinnen.

Ihm sei immer am Herzen gelegen, Verbindendes zu stärken und verschiedene Gruppen in der Gemeinde zusammenzuführen, erklärt der Pfarrer. „Heute gibt es ein gutes Miteinander.“ Ein weiteres Anliegen des Pfarrers: „Das Gottesdienstangebot so zu gestalten, dass sich auch Jüngere wohlfühlen.“ Mit dem JAAM-Gottesdienst, der für „Jung und Alt und alle miteinander“ steht, sei dies gelungen. Im Paul-Schneider-Haus treffen sich einmal im Monat von Konfirmandinnen und Konfirmanden über das mittlere Alter bis hin zu betagten Gemeindemitgliedern alle Generationen zu einem Gottesdienst, der unter anderem ein besonderes liturgisches und musikalisches Angebot macht.

Begegnungen mit Menschen stehen für Siegfried Häußler im Mittelpunkt seiner Arbeit: „Darum bin ich Pfarrer geworden. Ich wollte die Begegnung mit Gott ermöglichen.“ Deshalb waren auch die Glaubenskurse, die er gemeinsam mit dem CVJM angeboten hat, besonders intensive Zeiten. Schufen sie doch Begegnungen, die über punktuelle Kontakte hinausgingen.

Fehlen werden Häußler vor allem die Menschen aus Reichenbach, „mit denen ich gemeinsame Wege gegangen bin“. Dass nun wegen der Corona-Pandemie keine persönliche Verabschiedung möglich ist und auch sein Abschiedsgottesdienst am 19. April nur als Online-Veranstaltung vonstattengehen kann, tut weh.

Auch statt der sonst üblichen feierlichen Investitur an der Metzinger Friedenskirche am 3. Mai wird wohl nur ein Online-Einführungsgottesdienst stattfinden können. Häußler treibt die Frage um: „Wie mache ich mich den Leuten dort bekannt?“

Dennoch freut er sich auf die neue Aufgabe. „Es ist eine sehr lebendige Gemeinde und es gibt viel Beteiligung zum Beispiel an den Gottesdiensten.“ Häußler reizt auch, dass mit dem Ortsteil Neugreut ein neues Quartier seinem Seelsorgebezirk zugeteilt wird. „Hier gilt es Aufbauarbeit zu leisten. Es reizt mich, Neuland zu betreten.“ Ähnlich wie in Reichenbach wird Häußler rund 2000 Gemeindemitglieder zu betreuen haben.

Ausgleich findet Siegfried Häußler nicht nur beim Tanzen mit seiner Frau, sondern vor allem in der Natur. Fast jeden Tag macht er sich frühmorgens mit einem Bibelwort auf eine Runde an der frischen Luft und auch beim Radeln und Joggen entspannt er sich. Da kommt ihm gelegen, dass er es auch in Metzingen nicht weit ins Grüne hat.