01.08.19

Bezirkssynode

Bericht des Dekans: Kirche muss nach außen gehen und sich einmischen - aktuellen Entwicklungen gegensteuern

Dekan Bernd Weißenborn

Glaubt man der Prognose über die langfristige Entwicklung der Kirchenmitglieder und des Kirchensteueraufkommens sind die Aussichten eher düster. Werden sich die Zahlen doch bis 2060 wohl halbieren. Auch der Evangelische Kirchenbezirk Esslingen verliert jährlich fast zwei Prozent der Gemeindeglieder und damit rund 1000 Menschen.

Vor der Synode des Evangelischen Kirchenbezirks Esslingen sagte Dekan Bernd Weißenborn, die spannende Frage sei, wie die Kirche angemessen darauf reagiere. Ignorieren? Wegdiskutieren? Aussitzen? – keine gute Taktik für den Dekan. „Es muss ja nach uns weitergehen mit der Kirche, mit der Hoffnung, mit dem Glauben“, ist er überzeugt. Doch dazu brauche es Haltung und Konzepte, um der Entwicklung gegenzusteuern. „Es braucht Botschaften, die nichts verharmlosen, aber auch ermutigen.“
Weißenborn warnte vor noch mehr Aktivitäten. Man könne den Ehren- und Hauptamtlichen nicht noch mehr aufbürden. Viele seien am Anschlag. Dass die Kirche kleiner werde, habe nichts mit schlechter Gemeindearbeit zu tun. „Wir haben mit den laufenden Strukturen und Konsolidierungsprozessen gut tun. Noch mehr draufzupacken, wird nicht die Lösung bringen. Zu viele Baustellen auf einmal sind nie gut. Manches wird sich nicht verhindern lassen. Aber wir können sehr wohl steuern, wann wir welche Dinge angehen wollen.“

Die Kirche wolle sich kreativ und schaffig zeigen. „Meines Erachtens wird es aber nicht gelingen, über Aktionen und Projekte die große Anzahl von Menschen zurückzuholen und wieder in Kontakt mit Kirche und Glaube zu bringen.“ Etwas grundsätzlich anderes müsse geschehen. „Ich glaube, es braucht eine Mischung aus Gottvertrauen und Hoffnung, Gebet und Umkehr, aber auch Arbeit und Aktion und vor allem getragen vom Wirken des Heiligen Geistes. Nur Gott kann einen Neuaufbruch schenken, nicht wir“, ist der Dekan überzeugt. Vielleicht würde ein bisschen mehr Sorglosigkeit an manchen Stellen guttun.

Man müsse im Wandel auch Chancen sehen, denn er führe zu mehr Verbundenheit. Netzwerke würden stärker oder neu gebildet. Dies seien gute Entwicklungen, die es zu stärken gelte. Im Vordergrund müsse die Frage stehen, was man miteinander gestalten könne. Und noch etwas sieht Weißenborn als bleibende Aufgabe der Kirche: auf die Ausgetretenen zuzugehen und Alternativen zum Kirchensteuermodell zu entwickeln.

„Zum Wandel gehört auch, dass wir darüber nachdenken, welche Rolle zukünftig der Pfarrdienst und andere kirchlichen Berufe haben und welche Aufgaben eben nicht.“

Kirche müsse jedoch verstärkt nach außen gehen. „Das heißt auch sich einzumischen. Den Dialog zu suchen. Wo nötig, die Auseinandersetzung. Das kritische Wort zu äußern, wenn wir gesellschaftliche Fehlentwicklungen wahrnehmen. Solidarität zu üben mit denen, die es schwer haben. Wir wollen, wir müssen auch Kirche mit zivilgesellschaftlicher Kraft sein.“