02.07.19

Kita im Container

Abenteuer für die Kleinen: Im Kita-Provisorium auf dem Esslinger Zollberg ist die Stimmung gut.

Im Kreativraum. Links Andrea Heuser.

Auch auf beschränktem Raum kann man gut spielen.

Kindergarten im Container – für die Kinder ein Abenteuer, für die Erzieherinnen eine Herausforderung. Im Esslinger Stadtteil Zollberg entsteht derzeit gegenüber der evangelischen Christuskirche ein neuer, größerer Kindergarten. Der alte, zweigruppige Kindi wurde Anfang des Jahres abgerissen, um Platz für den Neubau zu machen. Für mindestens ein Jahr sind Kinder und pädagogisches Personal der von der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Esslingen getragenen Einrichtung in ein Provisorium aus Containern gleich nebenan gezogen.

Nach einem halben Jahr hat sich der Kita-Alltag längst eingespielt. „Es war faszinierend: Innerhalb einer Woche hatten sich die Kinder bestens eingewöhnt“, erzählt Kita-Leiterin Andrea Heuser. Dazu habe sicher beigetragen, dass die Kinder nicht nur das Aufstellen der Container im Dezember neugierig verfolgten, sondern sie am letzten Tag vor den Weihnachtsferien auch ihre persönlichen Ordner ins neue Domizil umziehen durften. Zudem behielt jedes Kind seinen  Garderobenplatz.

Für die Erzieherinnen folgte die anstrengende Zeit des Aussortierens. „Der Dachboden war schon ewig nicht mehr entrümpelt worden, da hat man einfach immer alles raufgestellt“, sagt Heuser. Doch einfach alles entsorgen mochte sie schon aus Gründen der Nachhaltigkeit nicht. Manches alte Möbelstück leistet jetzt im Container gute Dienste. Denn dort gibt es keine Einbauschränke. Für einen Teil der Spielsachen und Materialien wurde eine Garage in der Nachbarschaft angemietet. Obwohl alles in beschriftete Boxen einsortiert wurde, ist häufig Suchen angesagt. Man müsse eben darauf achten, Ordnung zu halten, betont Heuser.

Als die Kinder Anfang Januar aus den Ferien kamen, schauten sie genau nach, dass auch nichts an Spielzeug fehlte. Selbst das große Aquarium musste mit umgezogen werden.
Während für die Kinder in den Gruppenräumen annähernd genauso viel Platz wie bisher zur Verfügung steht, müssen die sechs Erzieherinnen und Erzieher, zwei Azubis und ein FSJler zusammenrücken. Andrea Heuser teilt sich ihr Büro mit Waschmaschine und Trockner, im kleinen Aufenthaltsraum mit Küchenzeile befindet sich zudem ein Arbeitsplatz. „Es gibt keine Rückzugsmöglichkeiten für Gespräche oder Telefonate“, bedauert sie. Doch das Team nimmt die Situation gelassen. Weil es weniger Platz für Tische gibt, werde mehr auf dem Boden gespielt.

Mit dem Umzug wurden zwar nicht der Tagesablauf oder die pädagogische Konzeption, aber die räumliche Konzept verändert. „Wir haben den Gruppenräumen noch viel deutlicher Funktionen zugeordnet wie etwa Konstruktionsspielzeug, Tischspiele, Puppenecke, Essen oder den Kreativbereich“, erklärt die Erzieherin. „Die Kinder suchen die Räume jetzt danach auf, was sie spielen möchten. Das ist wesentlich besser.“ Deshalb will sie diese Struktur auch im neuen Kindi beibehalten. Dort könnten Funktionsräume auch durch mobile Schränke für Projekte wie Werken, Malen oder Musik entstehen. Zudem will man den Kindern weiterhin möglichst viele kreative Erfahrungen ermöglichen. „Spiel, das sich aus Dingen ergibt“ nennt Heuser das. Das bedeute auch eine naturnahe Pädagogik.

Anders als im alten Gebäude hat jetzt auch das große Sofa, das als Leseecke dient, einen festen Platz im breiten Flur. Dafür fehlt der große Garten – denn wo früher die Kinder tobten, stehen jetzt die Container. Vor allem, wenn das Wetter schlecht und der Boden aufgeweicht ist, müssen sie ihren Bewegungsdrang bei Spaziergängen oder auf dem Spielplatz ausleben, denn einen Bewegungsraum gibt es nicht in den Containern. Und Dreiradfahren geht mangels einer befestigten Hoffläche derzeit nicht.

Auch der Koch- und Backtag, der sonst mehrmals im Jahr stattfand, liegt derzeit auf Eis. Das monatliche gemeinsame Frühstück jedoch, hält das Team aufrecht. „Es ist ein bisschen komplizierter, aber es geht. Und die Kinder lieben es“, sagt Heuser. Was in den Containern sofort auffällt ist die Lautstärke. Deshalb verzichtet man auf lärmintensive Aktivitäten wie Tanzen oder laute Musik. Der Stimmung unter den Kindern tut dies keinen Abbruch. Fröhliche Stimmen sind aus den verschiedenen Räumen zu hören. Die Kleinen fühlen sich im Provisorium offensichtlich pudelwohl.

Gespannt verfolgen die Kinder auch, wie nebenan der neue Kindi in die Höhe wächst. Demnächst steht das Richtfest an. Die Erzieherinnen haben daraus ein Projekt gemacht: „Wie entsteht ein Gebäude.“

In der neuen  Einrichtung werden künftig rund 70 Kinder zwischen einem und sechs Jahren in vier Gruppen, davon drei mit Ganztagesangebot, betreut. Schon jetzt sucht die Evangelische Gesamtkirchengemeinde dafür pädagogische Fachkräfte.
Infos unter www.gesamtkirchengemeinde-esslingen.de