04.01.19

Jahreslosung

Ein Impuls zur Jahreslosung von Dekan Bernd Weißenborn - Bläsergottesdienst am 13. 1. in der Stadtkirche Esslingen

Illustration zur Jahreslosung von Dorothee Krämer

Es ist eine gute, hilfreiche Tradition, sich selbst gute Vorsätze für einen Neuanfang zu geben - ob am Anfang eines neuen Jahres oder überhaupt, wenn etwas Neues beginnt: „Da will ich hin. Darauf möchte ich verstärkt achten. Dies tun und jenes lassen“.  Was Sie sich wohl vorgenommen haben für das neue Jahr?

Ich wünsche Ihnen, dass Sie vieles davon umsetzen können und sich auch beim ersten Scheitern nicht gleich aus der Bahn werfen lassen.

Zu den persönlichen Zielen kommen übergeordnete, grundsätzliche Anliegen, persönlich wichtig, aber mehr noch alle Menschen betreffend. Wir wollen ja nicht nur ans eigene Wohlergehen denken. Uns muss auch das Wohl aller interessieren. Nur so kann Leben für alle Freude machen. Das ist der Sinn der Jahreslosung. Für 2019 wird uns, Psalm 34 aufnehmend, die Suche nach dem Frieden aufgetragen. Eine Suche, die immer auch das Handeln für den Frieden beinhalten muss.

Frieden zu haben und im Frieden leben zu dürfen, ist etwas sehr Kostbares. Wir merken das immer, wenn es einmal unfriedlich wird, der Haussegen oder der Völkersegen schief hängt. Dann wissen wir, was uns fehlt und was so nötig ist. Die ersten Störungen, Ausbrüche von Gewalt haben wir im noch jungen Jahr schon erlebt. Friede ist nicht einfach da. Frieden braucht Einsatz. Deshalb: Suche! Jage!

„Suche Frieden und jage ihm nach“, heißt es in Psalm 34. Das hebräische Wort, das dort steht, heißt Schalom. Schalom ist mehr als dass keine Gewalt mehr herrscht oder ein Krieg beendet wird. Das allein ist schon viel und was würden wir uns mehr wünschen für die kriegerischen Auseinandersetzungen unserer Tage wie den Bürgerkrieg in Syrien, die Drogenkriegeauf den Philippinen oder in Mexiko, die Konflikte im Süd-Sudan, in Libyen und auch im Nahen Osten, als dass das Schießen und Töten aufhören würde.

Schalom. Gemeint ist das Unversehrte, das Ganzheitliche, das Umfassende, die heile Welt, göttlich und menschlich betrachtet, ein heilvoller, liebevoller, auch geordneter Zustand für alle, Wohlergehen, Harmonie - Frieden eben mit Gott und der ganzen Welt. Im Grunde ist dies paradiesisch zu verstehen.
Davon sind wir weit entfernt und sollen doch alle Kräfte bündeln, diesen Zustand immer wieder so gut es geht punktuell herbeizuführen. Den ganzen Schalom schaffen wir nicht, den schafft nur Gott, aber etwas davon schon. In den 1980er Jahren hat ein Buch von Franz Alt eine gewisse Bedeutung erlangt: "Friede ist möglich". Ja, das stimmt. Friede ist möglich, wenn wir es wollen.

Friede/Schalom ist ein großes Thema im neuen Testament. Der Gott, an den wir glauben, ist ein Gott des Friedens. Friede spielt auch eine zentrale Rolle im Leben und Wirken Jesu. Denken wir etwa an die Bergpredigt. Die Friedensbotschaft, die er aussendet, verdichtet sich in ihm selbst. Er ist der Friede.

Christus ist unser Friede, doch dieser Friede ist anders als der Friede der Welt zu verstehen. Sein Friede kommt durchs Kreuz zur Welt. Sein Friede steht in tiefem Zusammenhang mit seiner Passion und seiner Auferstehung. Von ihm dürfen wir ähnlich wie die Jünger am Ostermorgen immer wieder dieses „Friede sei mit euch“ empfangen und mitnehmen für alles, was uns in Sachen Frieden handeln oder auch scheitern lässt. 

Wir tun gut daran, uns diesen Frieden immer wieder zusprechen zu lassen. Das stärkt auch für die menschlichen, familiären Zusammenhänge in denen wir stehen. Was nützen die großen Friedensaktionen, wenn wir es im Kleinen nicht hinbekommen. Sein Friede will uns versöhnlicher mit uns selbst und mit unserem Nächsten werden lassen. Zur Suche des Friedens gehört also auch, sich Frieden schenken zu lassen.

Zum Suchen möchte ich den Dank legen. Wir haben viele Friedenssucher und Friedenshandelnde unter uns. Wir sollten dies sehen lernen und dafür danken. Wohl wissend, dass der Friede klein anfängt und vieles in der Stille geschieht, freue ich mich z.B. an der Arbeit unseres Friedensteams im Kirchenbezirk. Der Dienst, der im Friedenspfarramt geschieht mit Impulsen zum Nachdenken und Weiterarbeiten, die vielfach auch ökumenisch getragenen Friedensgebete und Friedensgruppen oder die von uns vielfach in den sonntäglichen Gottesdiensten gesungene Friedensbitte. Dies alles wird seine friedenstiftende Wirkung nicht verfehlen.

"Suche Frieden und jage ihm nach." Ich wünsche Ihnen in diesem Sinn ein gesegnetes, friedvolles Jahr 2019  verbunden mit der Bitte von Franz von Assisi: „O Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens“.

Bläsergottesdienst am 13. Januar in der Stadtkirche in Esslingen

Am 13. Januar findet um 10.30 Uhr in der Stadtkirche in Esslingen ein Bläsergottesdienst zur Jahreslosung statt. Mehr als 100 Bläserinnen und Bläser gestalten ihn. Die Mitwirkenden - Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen acht und 24 Jahren aus den Posaunenchören des Kirchenbezirks Esslingen - haben sich bei der traditionellen Jungbläserschulung in Michelbach/Bilz mit dem Text der Jahreslosung beschäftigt und das Programm erarbeitet. Die Predigt hält Jugendpfarrer Ulrich Enderle.