08.08.19

Kirche ES-Sulzgries

Pfarrerin Christiane Wellhöner nimmt Abschied von der Kirchengemeinde Sulzgries.

Christiane Wellhöner in der Kirche in Sulzgries

An den Sulzgriesern liegt es nicht, dass Christiane Wellhöner die Evangelische Kirchengemeinde im Esslinger Teilort Sulzgries schon nach fünf Jahren wieder verlässt. Die Pfarrerin konnte schlichtweg dem verlockenden Angebot nicht widerstehen, als Studienleiterin für Gottesdienst und Seelsorge ans Pfarrseminar der Evangelischen Landeskirche in Stuttgart-Birkach zu wechseln.

Nach Jahren im Gemeindepfarramt sei es reizvoll, sich stärker auf theologische Fragen zu konzentrieren. „Und die Gestaltung der Gottesdienste war schon immer einer meiner Schwerpunkte“, sagt sie. Ihre Erfahrungen als Gemeindepfarrerin will die 51-Jährige den Vikarinnen und Vikaren vermitteln, die sie künftig unterrichten wird. „Gemeindearbeit verlangt viel von Pfarrern.“

Umso schöner sei es gewesen, in Sulzgries auf eine offene, engagierte, aber auch anspruchsvolle Gemeinde bauen zu können. Vor allem in den eineinhalb Jahren, als die zweite Pfarrstelle wegen der Krankheit ihres Kollegen nicht besetzt war, hätten Kirchengemeinderat und Kirchengemeinde sich sehr engagiert. Auch Kollegen aus benachbarten Kirchengemeinden halfen aus. „Wir  haben alles zusammen getragen und Lösungen und Hilfe gefunden“, sagt Wellhöner rückblickend auf diese Zeit der Ungewissheit. Inzwischen ist die Stelle mit Christiane Wille wieder besetzt. Bei aller zusätzlichen Arbeitsbelastung seien dies gute Erfahrungen gewesen. „Zu wissen, es gibt kompetente Leute, die sich einbringen, ist entlastend.“

Und noch etwas rechnet die Pfarrerin den Sulzgrieser hoch an: Als sie ihre Frau Susanne Schock kennenlernte und die beiden heirateten, habe die Kirchengemeinde sehr aufgeschlossen reagiert. „Unsere Verbindung hat natürlich für manche Befremdung und Verlegenheit gesorgt, aber es haben sich sehr viele herzlich mit uns gefreut. Am Ende ist es eine Frage des Vertrauens.“ Dass sich ihre Frau, die Kindergartenfachberaterin des Evangelischen Kirchenbezirks Esslingen ist, ins Gemeindeleben einbrachte, hält Wellhöner für einen wichtigen Aspekt. „Sie ist in der Gemeinde sichtbar.“ Die beiden Frauen werden in Sulzgries wohnen bleiben, denn die gebürtige Göttingerin ist überzeugt: „Sulzgries ist ein guter Ort.“

Dazu trage auch das hervorragende ökumenische Miteinander bei. Etliche Gottesdienste – ob Erntedank, Himmelfahrt, Schulgottesdienste oder Gottesdienste im Grünen – werden gemeinsam gefeiert. Zuweilen predigt auch der katholische Kollege in der evangelischen Kirche in Sulzgries und Wellhöner ist in der katholischen Kirche zu Gast.

Das „ungeheure Ehrenamtspotenzial“ in Sulzgries habe zu einem dichten Netzwerk geführt, von dem die Kirchengemeinde ein Teil sei, betont die Pfarrerin und nennt neben dem Kirchengemeinderat vor allem den CVJM, den ehemaligen Krankenpflegeverein „Miteinander-Füreinander“ und die Initiative „Gemeinsam für Flüchtlinge“, in denen sich auch viele der Kirche nahestehende Menschen engagierten.

Die Vielfalt der Gemeindearbeit und das Vertrauen, das ihr in Sulzgries entgegengebracht worden sei, mache ihr den Abschied nicht leicht, gesteht Wellhöner. Sie hofft, dass sie auch künftig viele Gottesdienste halten kann – allerdings vorerst nicht in Sulzgries. Vermissen werde sie unter anderem die Bestattungen. „Ich habe mich gerne auf Lebensgeschichten eingelassen.“

Ihre neue Stelle ist wie alle sogenannten Sonderpfarrstellen auf acht bis zehn Jahre befristet. Danach kann sich Wellhöner eine Rückkehr in ein Gemeindepfarramt gut vorstellen.

•    Christiane Wellhöner wird am 8. September um 10 Uhr im Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Sulzgries verabschiedet. Anschließend gibt es einen Empfang im Gemeindehaus.