09.01.19

Christuskirche ES-Zollberg

Sich zu verkleinern bietet auch Chancen: Evangelische Kirchengemeinde am Zollberg bündelt ihre Gemeinderäume.

B. Müller, B. Weißenborn, F. Hartmann und S. Bessey (v.l.) im neu gestalteten Martin-Luther-Zimmer

Christuskirche von außen. Rechts das Pfarrhaus

Die Kirchengemeinden nicht nur im Evangelischen Kirchenbezirk Esslingen werden kleiner. Etwa ein bis zwei Prozent weniger an Kirchenmitgliedern sind es pro Jahr in der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde, sagt Dekan Bernd Weißenborn. Geschuldet sei dies vor allem der demografischen Entwicklung. „Das zwingt uns auch, unseren Bestand an Gebäuden zu verschlanken.“ Aus diesem Grund beschäftigt sich die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Esslingen seit Jahren mit einem Immobilienkonzept.

Wie aber kann sich eine Kirchengemeinde räumlich verkleinern, ohne am Gemeindeleben Abstriche zu machen? Diese Frage hat die Evangelische Kirchengemeinde Esslingen-Zollberg für sich gelöst. Hier hat sich die Zahl der Gemeindemitglieder seit 1980 fast halbiert. Die Gemeinderäume im Kindergarten gegenüber der Christuskirche wurden jetzt aufgegeben, das Gebäude weicht einem Kita-Neubau. Die Gemeinde ist mit ihren Aktivitäten ins Untergeschoss der Christuskirche gezogen und bekam zusätzlich Platz im Pfarrhaus hinzu. Damit rückt man näher zusammen. „Anfangs hat es durchaus Widerstände gegen die Pläne gegeben“, sagt Pfarrerin Dr. Brigitte Müller. Immerhin hat sich das Raumangebot um ein Drittel verringert. Das bedeute, einen Raum weniger zu haben. Andererseits sei das 1958 erbaute Kindergartengebäude mit dem bisherigen Gemeindesaal stark renovierungsbedürftig gewesen.

Inzwischen sei die Skepsis einer großen Begeisterung und Zustimmung gewichen, sagt die Pfarrerin. Denn die insgesamt 33 Gemeindegruppen oder auch Gremien können sich künftig in hellen, freundlichen Räumen treffen. Das Raumkonzept ist zudem flexibel und bietet Platz für kleine wie für große Gruppen. Zur zentralen Halle mit Theke öffnen sich zwei Räume – das Martin-Luther- und das Katharina-von-Bora-Zimmer. Sie waren bisher durch eine feste Wand getrennt und können nun bei Bedarf zu einem großen Saal verbunden werden. Außerdem wurde die bisherige Küche zur Spülküche, daneben wurde eine große Küche zum Kochen installiert. Die Einrichtung konnte aus dem alten Gemeindesaal übernommen werden. Zum Sanitärbereich kam ein behindertengerechtes WC. Zusätzlich wurde im benachbarten Pfarrhaus ein Jugendraum eingerichtet, der nach Sophie Scholl benannt ist. Alle Räume sind barrierefrei. Erneuert werden mussten auch die Elektrik und die Heizung in der Kirche.

Der Umbau im Bestand, der im Juni 2018 begann, erforderte nicht nur logistisches Geschick. Auch dem Denkmalschutz galt es Rechnung zu tragen. Ist die zwischen 1961 und 1963 von Architekt Heinz Rall erbaute Christuskirche doch seit 2008 ein Kulturdenkmal. „Der fünfeckige Grundriss der Kirche sollte sich auch im Untergeschoss weiterhin widerspiegeln“, erklärt Florian Hartmann, der Leiter der Bauabteilung der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde. Doch der Denkmalschutz habe bei den Umbauplänen insgesamt großes Entgegenkommen gezeigt.

Der Umzug vom Gemeindesaal in die neuen Räume sei nahtlos über die Bühne gegangen, sagt Brigitte Müller - auch dank vieler fleißiger Helfer aus der Kirchengemeinde. Diese hatten sich auch schon in die Planungen und etwa beim Einbau des Kücheninventars engagiert eingebracht. „Die Zollberger packen gerne mit an“, betont die Pfarrerin. „Ich freue mich sehr, dass die Gemeinde so gut mitgezogen hat“, sagt auch Weißenborn.

Die Loslösung des Gemeindehauses vom Kindergarten komme auch dem Wunsch der Stadt Esslingen entgegen, die diese Trennung befürworte, sagt Siegfried Bessey, der Vorsitzende des Evangelischen Gesamtkirchengemeinderats. Im Kindergarten-Neubau kommen zudem künftig vier statt bisher zwei Kita-Gruppen unter. Der Neubau wie auch die Trägerschaft des Kindergartens bleibt in den Händen der Gesamtkirchengemeinde. Ein rund 1000 Quadratmeter großer Anteil am Grundstück werde verkauft, um damit den Eigenanteil der Gesamtkirchengemeinde an den Baukosten zu finanzieren. Für den Neubau rechnet man mit 2,7 Millionen Euro. 2,2 Millionen Euro übernimmt die Stadt Esslingen. Die Umbaukosten in der Christuskirche und dem Pfarrhaus belaufen sich auf rund 750 000 Euro. Von den Gesamtkosten von 3,4 bis 3,5 Millionen Euro muss die Kirchengemeinde etwa 500 000 Euro an Eigenmitteln aufbringen. Zuschüsse gibt es von der Evangelischen Landeskirche und dem Kirchenbezirk.

Noch ist nicht alles fertig in den neuen Gemeinderäumen. Doch Mitte Dezember konnten sie bezogen werden. „Es musste nichts ausfallen“, betont Müller, denn erst vor wenigen Tagen wurde mit dem Abbruch des Kindergartens begonnen. Die Kita ist bereits vor Weihnachten in ein Container-Provisorium umgezogen.

•    Am Sonntag, 27. Januar, werden nach dem Gottesdienst, der um 10.30 Uhr beginnt, die neuen Räume gegen 11.30 Uhr offiziell eingeweiht.