09.10.19

Wahl des Dekans

Kirche der Hoffnung sein und bleiben: Dekan Bernd Weißenborn wiedergewählt

Dekan Bernd Weißenborn

Dekan Bernd Weißenborn ist gestern Abend als Dekan des Evangelischen Kirchenbezirks Esslingen wiedergewählt worden. Der 59-Jährige Theologe ist seit 2010 Dekan in Esslingen. Erstmals greift bei ihm die Neuregelung, dass die Amtszeit von Leitungskräften in der Evangelischen Landeskirche auf zehn Jahre begrenzt ist. Zuvor waren diese Ämter auf unbegrenzte Zeit vergeben. „Ich freue mich sehr über das Vertrauen, das mir durch meine Wiederwahl entgegengebracht wurde“, sagt Weißenborn.
Als Dekan ist er nicht nur Dienstvorgesetzter von knapp 50 Pfarrerinnen und Pfarrern in den 22 evangelischen Kirchengemeinden, sondern leitet gemeinsam mit der Bezirkssynode den Kirchenbezirk mit insgesamt rund 850 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Außerdem ist er geschäftsführender Pfarrer der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Esslingen.

Die letzten neun Jahre habe er als fordernd, aber auch erfüllend und gelingend erlebt. Besondere Herausforderungen seien die Konsolidierung des Kirchenbezirks, die Erarbeitung eines neuen Diakonatsplans, aber auch die Ausarbeitung und Umsetzung der Pfarrpläne 2011, 2018 und 2024 gewesen, die mit einer Reduzierung der Pfarrstellen einhergingen. „Der Kirchenbezirk steht aktuell sehr solide und geordnet da, wenngleich es uns schmerzt, dass wir, ähnlich wie andere, kräftig Gemeindeglieder verlieren“ erklärt der Dekan. Umso wichtiger seien neue Ziele. „Meine Ideen dafür sind unter anderem ein Bezirkskirchentag und ich möchte die Idee aus dem Evangelischen Jugendwerk Esslingen eines Kinder- und Jugendforums gerne aufnehmen. Es geht darum, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken und gemeinsam als Kirche aufzutreten.“

Auch in der Gesamtkirchengemeinde Esslingen habe es herausfordernde Projekte wie den Bau des Hospizes und andere Baumaßnahmen, das Immobilienkonzept und die Schaffung einer einheitlichen Trägerschaft für die kirchlichen Kindergärten. „Das war eine der besten Entscheidungen, die wir getroffen haben. Jetzt müssen wir überlegen, inwiefern die Gesamtkirchengemeinde weitere Trägerschaften übernehmen kann - vorausgesetzt die finanziellen Rahmenbedingungen stimmen für die Gesamtkirchengemeinde“, so der Dekan.

Natürlich habe es auch Konflikte und Enttäuschungen gegeben. „Aber ich habe Freude an den vielfältigen Aufgaben und entdecke immer noch Neues.“ Auch deshalb habe er sich erneut um das Amt des Esslinger Dekans beworben.

Für die Mitglieder des Besetzungsgremiums gab es viele Gründe für die Wiederwahl des Dekans. Man wünsche sich Kontinuität im Bezirk und im Landkreis, wo in absehbarere Zeit Wechsel bei den Dekanen der anderen Kirchenbezirke anstünden. Das sei auch im Blick auf den Kreisdiakonieverband wichtig, sagt Ulrike Sämann, die Vorsitzende des Besetzungsgremiums und der Bezirkssynode. Weißenborn kenne die Strukturen des Bezirks und der Kirchengemeinden gut und stehe stets für den Kirchenbezirk und die Kirchengemeinden ein. Auch habe er ein offenes Ohr für die Anliegen von Pfarrerinnen, Pfarrern und Gemeinden. Den Pfarrplan 2024, bei dem im Kirchenbezirk sechs Pfarrstellen wegfallen, habe er zur Chefsache erklärt. Auch habe der Dekan dazu beigetragen, dass Zuständigkeiten in der Jugendarbeit zwischen dem Bezirksjugendwerk und dem CVJM Esslingen klar geregelt wurden. Zudem fördere er engagiert die Hospizarbeit.

„Die Kirche ist auch in Esslingen im Umbruch. Die Frage wird sein, wie wir darauf angemessen reagieren“ sagt Weißenborn. Neben Arbeit und Aktion setze er auf eine Mischung aus Gottvertrauen und Hoffnung, Gebet und Umkehr. „Wir stehen augenblicklich in der Gefahr, uns notwendigerweise stark mit uns selbst zu beschäftigen. Wir dürfen dabei aber die Ausrichtung nach außen und auf die, die außerhalb unserer Kerngemeinden stehen, nicht verlieren“, betont Weißenborn. Außerdem dürften die Bereiche Diakonie, Mission und Bildung nicht leiden. Sein Motto für die zweite Amtszeit: „Kirche der Hoffnung sein und bleiben.“

Auch für Ulrike Sämann steht die Umgestaltung der Kirche angesichts schwindender Mitgliederzahlen und Bedeutungsverlust im Mittelpunkt. Es gelte, die evangelische Kirche attraktiv zu halten auch für Menschen, die ihr nicht nahe stehen, und Ideen zu entwickeln, wie man die kirchliche Botschaft mehr in die säkulare Stadtgesellschaft tragen kann. Die Kindergartenarbeit könne eine Chance sein, Kindern den christlichen Glauben näher zu bringen und mit jungen Eltern – auch inhaltlich – in Kontakt zu treten. Weil die Kirche vom Ehrenamt lebe, sei dessen Wertschätzung und Begleitung wichtig, ohne die Ehrenamtlichen mit Aufgaben zu überfrachten.

Die kirchlichen Finanzen weiter zu konsolidieren, hält auch Sämann für unabdingbar. Ein großer Anteil des Haushalts entfalle auf die Personalkosten. „Das  Personal ist aber das große Pfund, mit dem wir auch weiterhin wuchern sollten, um unsere vielfältigen Aufgaben für die Menschen im Kirchenbezirk, etwa in der Diakonie, in der Jugendarbeit, über Gemeindediakone für Senioren, Kinder oder Alleinstehende erfüllen zu können.“