10.04.19

Ostern

Nach der Trauer kommt die Freude: In der Passions- und Osterzeit gibt es viele kirchenmusikalische Angebote.

Orgel in der Stadtkirche Esslingen

Kirchenmusikalisch ist die Zeit vor und nach Ostern zweigeteilt. Während in der Passionszeit die Musik eher gedämpft und getragen ist, soll an Ostern die Freude über die Auferstehung Christi Ausdruck finden. Kirchenmusikalisch wird sowohl vor wie auch ab Ostern in den Kirchengemeinden des Evangelischen Kirchenbezirks Esslingen viel geboten.

„Früher wurde in der Passionszeit so gut wie keine Musik im Gottesdienst gespielt, da schwieg die Orgel“, erklärt Kirchenmusikdirektor Uwe Schüssler. Johann Sebastian Bach habe für die Zeit vor Ostern seine Passionen geschrieben, erklärt Schüssler, Bezirkskantor des Evangelischen Kirchenbezirks und Kantor an der Esslinger Stadtkirche. Auch heute sei die Musik, die in der Stunde der Kirchenmusik in der Esslinger Stadtkirche vor Ostern dargeboten werden, ausschließlich auf die Passionszeit bezogen. Die musikalischen Klassiker in dieser Zeit seien die Passionen von Bach und Schütz oder Teile aus Händels Messias, erklärt Schüssler.

Erst am Ostermorgen, mit dem Beginn der Osterzeit, erklingen im Gottesdienst die Osterlieder: „Freude, Singen, Jubilieren und Lachen sollen zum Ausdruck kommen“, sagt Schüssler. Auch Kantaten, die eine besondere Freude  ausdrücken, seien in der Osterzeit gut am Platz. „Ich finde es schön, nicht immer alles zu machen, sondern da musikalisch zu differenzieren“, meint Schüssler.

Für Christian König, ebenfalls Bezirkskantor und Kantor an der Stadtkirche in Plochingen, soll in der Kirchenmusik das In-sich-Kehren der Fastenzeit auch  musikalisch zum Ausdruck kommen. „Die Musik ist auf das Leiden Christi, aber auch die Belastungen im eigenen Leben angelegt“, erklärt er. Die Gottesdienste in der Passions- und Osterzeit seien traditionell festlicher und musikalisch reicher gestaltet. Häufiger als sonst kämen der Chor, zusätzliche Instrumente und Solisten zum Einsatz. Auch in Plochingen singt die Kantorei im Gottesdienst am Karfreitag Passionsstücke, während am Ostersonntag um 10 Uhr in der Stadtkirche zwei Kantaten von Dietrich Buxtehude und Paul Horn von Chor und Streichern aufgeführt werden.

Auch wenn die Passionszeit einen „stille Zeit“ sei, sei sie für den Kirchenmusiker aufwändig, weil es in den Kirchengemeinden viele besondere Aufführungen gebe, betont Schüssler. So findet in Esslingen am Karfreitag eine zusätzliche Stunde der Kirchenmusik zur Todesstunde Jesu um 15 Uhr statt. Orgelmusik und Lesungen zur Todesstunde Jesu gibt es auch in Denkendorf am Karfreitag um 15 Uhr in der Klosterkirche Denkendorf. Bereits am Gründonnerstag singt in der Esslinger Kirchengemeinde St. Bernhardt zum Hohenkreuz um 19.30 Uhr in der St. Bernhardt-Kirche der ökumenische Kirchenchor „Die Passion nach Matthäus“ von Lothar Graap in der Übersetzung von Walter Jens. In dieser Komposition wird der Evangelienbericht gelesen und nicht wie oft gesungen. Die Lesungen übernimmt der Schauspieler Benjamin Janssen, ein Ensemble-Mitglied der WLB Esslingen.

Gefragt sind die Kirchenmusiker zudem bei den abendlichen Passionsandachten, die zusätzlich zu den regulären Gottesdiensten an vielen Orten gefeiert werden. Auch Osternächte oder Auferstehungsfeiern am Ostermorgen auf den Friedhöfen, bei denen meist die Posaunenchöre spielen, fordern den Einsatz von Organisten und Chören.

Als besonderer Höhepunkt der Osterzeit, die bis Pfingsten reicht, wird in Plochingen am 5. Mai um 19 Uhr das Rock-Oratorium „Emmaus“ von Thomas Gabriel in der Stadtkirche im Rahmen der Stunde der Kirchenmusik aufgeführt. Neben der Plochinger Kantorei, Solisten und Orchester wird eine Band mitspielen. Das moderne Werk erzählt die Geschichte, wie nach Jesu Kreuzigung zwei seiner Freunde in die Stadt Emmaus wandern und dabei dem Auferstandenen begegnen.

Weitere kirchenmusikalische Angebote gibt es auf den Internetseiten der einzelnen Kirchengemeinden.