12.08.19

Spurensuche

Antoni und Anna Löw schenkten der Kirche in Aichwald-Krummhardt 1711 ein Taufgeschirr.

Manfred und Heidi Raab in der Krummhardter Kirche

Wer die kleine evangelische Kirche im Aichwalder Ortsteil Krummhardt betritt, findet gleich rechts neben dem Eingang vier Kirchenstühle. Einer trägt die verblasste Inschrift „Alt Antoni Löw“ und die Jahreszahl 1719. Wer war dieser Antoni Löw, der vor genau 300 Jahren auf diesem Stuhl dem Gottesdienst lauschte, fragte sich der ehrenamtliche Mesner Ulrich Stilz und machte Manfred Raab auf die Sache aufmerksam. Der 81-Jährige war mehr als 30 Jahre Schulleiter der Grund- und Hauptschule Aichwald und wohnt nahe des Krummhardter Kirchles, das aus dem 15. Jahrhundert stammt. Er engagiert sich zusammen mit seiner Frau Heidi in der Evangelischen Kirchengemeinde Aichwald in der Krummhardter Gesprächsrunde. Beide haben besonderes Interesse an der Geschichte der Krummhardter Kirche. Also begaben sich die beiden auf Spurensuche. Denn auch ein 300 Jahre altes Taufgeschirr, bestehend aus einem Krug und einer fünfeckigen Schale, weist auf die Familie Löw hin. Auf dem Krug für das Taufwasser ist neben der Jahreszahl 1711 eingraviert: „Antoni Löw und Anna Löwen Hebammen haben dieses Kendle (Kännchen) sabt (samt) dem Becket (Becken) gestiftet.“ Bis heute benutzt die Evangelische Kirchengemeinde dieses Geschirr bei Taufen. Die Inschrift habe bisher kaum einer beachtet, sagt Raab.

Viele Stunden haben Heidi und Manfred Raab im im Hauptstaatsarchiv in Stuttgart zugebracht, hunderte von Akten gewälzt. „Löw zu finden war nicht einfach. Er war kein Prominenter“, erklärt Raab. Dennoch müsse er für Krummhardt ein bedeutender Bürger und finanziell gut gestellt gewesen sein. Denn, das hat Raab bei seinen Recherchen erfahren, die Lebensverhältnisse auf dem Schurwald waren eher ärmlich. Zudem sei Anna Löw als Hebamme eine wichtige Person im Dorf gewesen.
Auch wenn die Taufgeräte, die vermutlich aus Zinn sind, klein und bescheiden daherkommen, war eine solche Stiftung nicht alltäglich. „Es hat mich beeindruckt, dass Menschen in einer solch ärmlichen bäuerlichen Welt mit wenigen Äckern und kargen Ernten so etwas stifteten“, sagt Raab. Er vermutet, dass die Löws, die 1664 geheiratet hatten, sehr gottesfürchtig waren, denn sie lebten in einer Zeit besonderer Frömmigkeit und religiösen Aufbruchs.

Auch der Kirchenstuhl weise auf die herausgehobene Stellung Löws hin. Kirchenstühle, die erst im Spätmittelalter in den Kirchen Einzug hielten, konnten bald reserviert und gegen eine Gebühr gemietet werden, erklärt Raab.

Weil die Taufregister nicht erhalten sind, konnten die Taufeinträge des Stifterpaars nicht ermittelt werden. Was die Raabs fanden, sind die Sterbeeinträge: Alt Antoni Löw starb am 27. März 1728, sein Frau am 14.1.1733. Die „Hebamm von Crumert“ wurde 83 Jahre alt. Außerdem sind die Tauf- und Sterbedaten von vier Kindern der Familie überliefert. Hans-Jerg, das zweite Kind, heiratete 1696 Agnes Geyer aus Schanbach. Ein Sohn aus dieser Ehe, Johann Adam Löw, wurde 1711 getauft. Raab vermutet, „dass die Großeltern aus diesem Anlass die Taufgeräte stifteten“. Heute lebten wohl keine Nachfahren der Löws mehr in Aichwald.

Auch für die Renovierung des Krummhardter Kirchles, das laut Aichwalder Chronik Anfang des 18. Jahrhunderts fast gänzlich eingefallen war und zwischen 1711 und 1715 repariert wurde, muss es Geldgeber gegeben haben. Sie sind heute unbekannt, denn es fanden sich keine Bauunterlagen. Gerne würde Manfred Raab noch herausfinden, wer der Maler war, der die Barockmalereien in der Kirche angefertigt hat. „Ähnliche Malereien gibt es im Schloss in Stetten“, weiß Raab.

Auch wenn die Ausbeute über die Familie Löw eher bescheiden war, hat sich für die Raabs die Recherche gelohnt. „Wir haben viele andere Details über den Ort, die Pfarrer und vor allem die Lebensverhältnisse erfahren“, erzählt Manfred Raab. Dazu gehört, dass die landwirtschaftlichen Erträge zwar karg und spärlich waren, die Leute aber sehr alt wurden. Mangels großer Ackerflächen hätten sich die Bauern mit Flachsanbau und Waldarbeit durchgeschlagen. Der kleine Weiler Krummhardt habe kirchlich eine wechselvolle Geschichte. Er gehörte mal zu Schanbach, lange Zeit aber zu Aichelberg - damals noch eigenständige Gemeinden.

•    Am Sonntag, 8. September, wird im Gottesdienst um 10 Uhr in der Kirche in Krummhardt des Stifterpaars Löw gedacht. Außerdem gibt es an diesem Tag zwei Führungen um 12 Uhr und 14.30 Uhr.