18.04.19

Ostern

Dem Himmel ein Stück näher - Andacht zu Ostern von Pfarrerin Karin Keck, Plochingen.

Neulich in einer Besprechung stellen wir fest: Schon wieder April, schon wieder drei Monate vor-bei. Wie schnell die Zeit vergeht, wie schnell wir älter werden und was wir alles nicht schaffen oder nicht schnell genug schaffen!

Aber einer in unserer Runde sagte: Ach, es ist doch nicht wichtig, was hinter uns liegt. Freuen wir uns darauf, dass wir jeden Tag Gott und dem Himmel ein Stück näher kommen.

Das hat mich nachdenklich werden lassen. Die Zeit scheint zu rasen und nur selten kommen wir zum Innehalten. Irgendwie hecheln wir manchmal hinter allem her, was wir uns vorgenommen haben. Und wir schaffen meist nicht alles – oder eben mit Überstunden, so dass Familie, Freunde und wir selbst zu kurz kommen. Dieses Dilemma dürfen wir uns eingestehen, Gott akzeptiert uns auch so! Gut, dass es dazwischen Feiertage gibt, Ruhezeiten, Familienfeste, feierliche Gottesdienste.

Osterferien! Paulus denkt von Ostern her. Er hat – wie dieser Mensch in unserer Besprechung – einen anderen Ansatz. Ich lebe aus der Kraft der Auferstehung Christi, sagt er. Und ich strecke mich danach aus, selbst zur Auferstehung zu gelangen und Christus gleich zu werden. (Philipper3, 10-14)

Das gibt meinem Leben einen neuen Blickwinkel. Ich lebe nach vorn. Ich habe ein Ziel, eine „himm-lische Berufung“, so heißt es da. Auch wenn ich nicht alles schaffe, kann ich doch nach vorn schauen. Auch wenn ich bei weitem nicht so vollkommen bin wie Jesus, kann ich doch in diesem Ziel eines Tages mit ihm vereint sein. Da kann ich Menschen wiedersehen, die ich gern habe und vermisse, kann ich Fragen beantwortet bekommen, auf die es auf dieser Welt keine Antwort gibt, kann ich Krankheit und Trauer vergessen. Und auch das Älterwerden bekommt so eine neue Perspektive. Altwerden heißt näher zum Himmel kommen!

Und mit dieser Perspektive nach vorn wird es mir auch leichter, dem Dilemma in die Augen zu sehen. Ich lebe und arbeite hier, so gut ich kann. Ich freue mich auch an schönen Dingen und lebe und lache. Ostereier verstecken und suchen, Spaziergänge oder Radtouren im Frühling, gutes Essen! Und alles, was manchmal so schwer scheint, wird leichter, weil ich mich nach vorn orientieren kann. „Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, der himmlischen Berufung.“ (Philipper 3,13+14)

Pfarrerin Karin Keck, Plochingen