19.08.19

Schuldekan

Fürsprecher für den Religionsunterricht: Christoph Salzger ist neuer Schuldekan.

Christoph Salzger

„Religionsunterricht ist eine große Chance, aber auch eine Herausforderung für die Kirche“, ist Christoph Salzger überzeugt. Der 46-Jährige ist ab September neuer Schuldekan für die Evangelischen Kirchenbezirke Esslingen und Bernhausen. Er versteht sich vor allem als Fürsprecher für den Religionsunterricht.

Im Religionsunterricht erreiche man viele junge Menschen und könne sich gemeinsam mit ihnen über Lebens- und Glaubensfragen auseinandersetzen. Andererseits sei es oft der erste oder auch einzige Kontakt der Schülerinnen und Schüler mit der Kirche, weil immer weniger Schüler einen religiösen Hintergrund hätten.

Salzger kennt beide Seiten – die des Lehrers und die des Pfarrers. Der gebürtige Westfale hat Theologie und Latein studiert und nach dem Vikariat als Pfarrer gearbeitet. Er hatte Lehraufträge an den Universitäten von Gießen und Tübingen, war von 2012 bis 2017 Lehrer für Religion und Latein am Schlossgymnasium in Kirchheim/Teck und seit 2017 Dozent am Pädagogisch-Theologischen Zentrum der württembergischen Landeskirche in Stuttgart. Nach Württemberg verschlagen hat es Salzger durch seine Frau Jasmin, die in Esslingen-Berkheim aufgewachsen ist und die demnächst neue Pfarrerin in Lichtenwald wird.

Als junger Mensch war Christoph Salzger in seiner Kirchengemeinde aktiv, hat sich in der Jugendarbeit engagiert. Den Ausschlag, Theologie zu studieren, gab jedoch der Religionsunterricht in der Oberstufe. „Wir haben damals theologische Themen und Fragen auf hohem Niveau bearbeitet. Das hat mich gereizt“, sagt er. Religionsunterricht sei dann gut, wenn er nah an den Fragen der Schüler sei und das, was sie beschäftige, auch vor dem christlichen Hintergrund betrachte. Um Religionsunterricht für die jungen Menschen interessant zu machen, müsse sich dieser moderner Methoden bedienen. „Dies jedoch ohne zu verleugnen, das es evangelische Religion ist.“

Sein neues Amt versteht Christoph Salzger als „Schnittstelle zwischen Kirche und Staat, Kirchengemeinden und Schulen“. Ihm ist es ein Anliegen, den Religionsunterricht und die Religionslehrer zu stärken. Dazu müsse man engen Kontakt mit den Lehrern und Schulleitungen halten.
Religionslehrern kommt laut Salzger eine wichtige Funktion in der christlichen Erziehung zu. „Sie müssen als Christen im Unterricht sichtbar werden und Vorbild sein, denn oft ist dies die einzige Situation, in der Schüler reales Christsein kennenlernen.“ Der Religionsunterricht müsse die Möglichkeit eröffnen, über Glaubensfragen nachzudenken und Schüler und Lehrer sollten intensiv und offen miteinander diskutieren. „Doch es darf keine Missionsveranstaltung sein“, betont der designierte Schuldekan. Vielmehr gelte es, „die eigene Religiosität der Schüler zu schärfen“. Dazu müssten die Lehrer ihre Begeisterung für das Thema deutlich zeigen.

Er habe kein Problem damit, den evangelischen Religionsunterricht für andere Konfessionen oder auch Religionen zu öffnen, um dort über Lebensthemen zu sprechen – „allerdings in kompletter Freiwilligkeit. Und es muss klar sein, dass es evangelischer Religionsunterricht bleibt“, erteilt er der Beliebigkeit eine Absage. Eine Jahresendfeier statt eines Weihnachtsgottesdienstes wäre mit ihm nicht zu machen. „Warum nicht beides“, fragt er.

Christoph Salzger weiß aber auch: „Religiöse Inhalte haben an Schulen immer weniger Bedeutung.“ Dagegen will er offensiv vorgehen. Denn das Fach biete wie kaum ein anderes die Chance und die Freiräume, sich mit existenziellen Fragen auseinanderzusetzen, ohne stets die konkrete „Verwertbarkeit“ für den schulischen oder beruflichen Fortgang im Auge zu haben.
Salzger betont aber auch, dass er nicht nur für die Schulen zuständig ist: „Ich möchte die Kirchengemeinden in ihrer Bildungsarbeit unterstützen.“

Dass er für zwei Kirchenbezirke mit knapp 100 Schulen und rund 300 staatlichen und kirchlichen Lehrkräften zuständig sein wird, reizt Salzger. „Es ist eine Herausforderung, weil die beiden Kirchenbezirke sehr unterschiedlich sind in ihrer eher städtischen bzw. ländlichen Prägung und weil sie verschiedene Frömmigkeitsprofile haben.“ Das werfe für ihn die Frage auf, wie sich die beiden Bezirke gegenseitig befruchten können. Als „Riesenchance“ sieht er, dass er in einer Bürogemeinschaft mit seiner Kollegin Dorothee Moser arbeiten wird, die Schuldekanin für die Kirchenbezirke Nürtingen und Kirchheim ist. „Wir können gemeinsam an einem Strang ziehen.“

Privat ist für Christoph Salzger die Familie „das Allerwichtigste“. Die Zeit, die er mit seiner Frau und der kleinen Tochter verbringen kann, erfüllt ihn. Und dann ist da noch die Musik: Der ausgebildete Kirchenmusiker sitzt gelegentlich auch auf der Orgelbank, um einen Gottesdienst zu begleiten.