20.10.20

Plochingen

Pfarrer Joachim Schilling verlässt die Evangelische Kirchengemeinde Plochingen.

Sieben Jahre lang hat Pfarrer Joachim Schilling den Spagat gelebt. Die Hälfte seiner Arbeitszeit gehörte der Evangelischen Kirchengemeinde Plochingen, die andere Hälfte dem Friedenspfarramt der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Eine herausfordernde Kombination, die er dennoch bewusst eingegangen ist. Ende Oktober sagt Schilling Plochingen adieu. Der 56-Jährige übernimmt zum Friedenspfarramt das landeskirchliche Männerpfarramt.

Traurig stimmt den Theologen, dass mit seinem Weggang seine Pfarrstelle in Plochingen wegfällt. So sieht es der Pfarrplan vor. „Das tut weh“, sagt er. Auf die Zeit in Plochingen blickt er dankbar zurück. Einer seiner Schwerpunkte war die Seelsorge im Johanniterstift. „Die Arbeit dort hat mich verändert. Mitarbeitende und Bewohner sind mir ans Herz gewachsen.“ Aber auch in der Konfirmandenarbeit war Schilling gerne engagiert. Dabei hat er festgestellt, „dass seit einem Jahrzehnt der Unterricht mit den Jugendlichen konstruktiver geworden ist und nicht mehr von Disziplinproblemen wie noch vor 20 Jahren geprägt ist“, macht er der jungen Generation ein großes Kompliment. Diese denke in vielem ruhig und differenziert.

Mit jungen Menschen Dinge zu unternehmen, hat dem Vater von vier inzwischen erwachsenen Söhnen schon immer Freude gemacht. Auch die Jugendgottesdienste gehören dazu.

Eine prägende Erfahrung in der Evangelischen Kirchengemeinde Plochingen beschreibt Schilling so: „Es war beeindruckend zu erleben, dass es genügend Mitarbeitende gibt, wenn man etwas wirklich braucht und will.“ Und so fanden sich auch immer wieder Teams zusammen, die verschiedenen Gottesdienste mitgestalteten oder organisierten – Jugendgottesdienst, Osternacht oder auch Weihnachtsgottesdienste.

Doch es gab auch schwierige Zeiten in Plochingen. 2017 musste Joachim Schilling wegen eines angeborenen aber zuvor nie diagnostizierten schweren Herzfehlers operiert werden – ein großer Einschnitt, wie er heute sagt.

Vielleicht hat dies dazu beigetragen, dass er sich verstärkt mit dem  Thema Männer in der Kirche auseinandersetzte. „Männergesundheit- und Rollenverhalten werden in meinem neuen Aufgabenfeld Themen sein“, sagt Schilling. Außerdem seien sehr viele Fragen, die ihn im Friedenspfarramt beschäftigen, auch Männerthemen, nennt er etwa den Umgang mit Gewalt.

Eine Weile wird Joachim Schilling mit seiner Frau noch im Pfarrhaus in der Tannenstraße wohnen bleiben, bevor die beiden im Frühjahr nach Ostfildern umziehen. Vermissen werde er nicht nur viele Menschen in Plochingen, sondern auch das Kollegenteam mit Pfarrer Gottfried Hengel und Pfarrerin Karin Keck, erklärt Schilling. „Auch der Gemeindedienst als Pfarrer mit seinen vielen Facetten wird mir fehlen – Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten, Beerdigungen, Seelsorgegespräche, Gemeindefeste, Gottesdienste an Festtagen und zu normalen Zeiten.“ Sehr wohl gefühlt habe er sich auch im Evangelischen Kirchenbezirk Esslingen. In seiner Funktion als Friedenspfarrer der Landeskirche habe er sich besonders gefreut, dass Esslingen als einziger Kirchengbezirk in Württemberg bisher der Nagelkreuzgemeinschaft beigetreten sei.

•    Die Verabschiedung und Entpflichtung von Joachim Schilling aus dem Gemeindepfarramt durch Dekan Bernd Weißenborn wird in einem Team-Gottesdienst bei der ChurchNight 2020 am 31. Oktober um 18 Uhr auf dem Kirchberg Plochingen stattfinden. Weitere Infos unter www.gemeinde.plochingen.elk-wue.de