20.11.19

St. Bernhardt-Kirche

Historisches „Kirchle“ ins rechte Licht gerückt. Neue Beleuchtung für Esslinger St. Bernhardt-Kirche.

Fokus auf Altar und Kanzel

Die kleine St. Bernhardt-Kirche ist nicht nur den Mitgliedern der Evangelischen Kirchengemeinde St. Bernhardt zum Hohenkreuz ans Herz gewachsen. „Kirchle“ nennen es die Bewohner des Esslinger Stadtteils liebevoll.

Doch in der denkmalgeschützten Kirche, die im Mittelalter Wallfahrtskirche war und im 14. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt wurde, herrschte bisher trübes Licht. „In manchen Ecken konnte man kaum im Gesangbuch lesen“, berichtet Petja Scherrieble, die Vorsitzende des Kirchengemeinderats. Im Gottesdienst war der Altarraum der dunkelste Bereich und auch Mimik oder Gestik des Predigers auf der Kanzel waren nur schwer auszumachen. Dabei war die St. Bernhardt- Kirche eine der evangelischen Kirchen in Esslingen, in denen schon früh, nämlich 1913, elektrisches Licht installiert wurde. Zuletzt erhellten Kugelleuchten aus den 70er Jahren das „Kirchle“ mehr schlecht als recht. Schon lange gab es Pläne, dies zu ändern.

Lichtarchitekt Urban Kreuz hat sich der Kirche angenommen und festgestellt, dass die eingesetzten Energiesparlampen zusätzlich für diffuses Licht mit wenig Brillanz sorgten. „Dadurch kam die vielfältige historische Ausstattung etwa an Kanzel, Empore oder Wandgestaltung nur schlecht zum Ausdruck.“

Auch Kirchen- und Posaunenchor bemängelten das schwache Licht. War es oben auf der Empore dunkel, blendeten die tief hängenden Lampen diejenigen, die darunter saßen. „Bei Konzerten dienten zwei Bühnenstrahler als Notnagel“, erklärt Pfarrer Enno Knospe. Die aber mussten dann jeweils wieder abgebaut werden.

Das Konzept von Urban Kreuz sieht Pendelleuchten und Strahler vor. „Sie sollen die Aufmerksamkeit auf den wichtigsten Bereich des Raums, den Altarraum  lenken.“ Die neuen Leuchten können sowohl gerichtetes Licht als auch eine komplette Ausleuchtung des Raums in verschiedenen Helligkeitsstufen erzeugen.

„Das dunkle Holz und die kleinen Fenster waren eine Herausforderung“, sagt der Lichtarchitekt. „Andererseits ist die Kirche durch die warmen Holztöne auch sehr stimmungsvoll. Angesichts der historischen Ausstattung hat Kreuz die Beleuchtung zurückhaltend gestaltet. „Die Leuchten sollen nicht dominieren, sondern sich der Architektur unterordnen.“ Die neue Beleuchtung bringe die historische Substanz besser zur Geltung.

Auch der Denkmalschutz hatte ein Wörtchen mitzureden: „Sie waren sehr offen und entgegenkommend“, erinnert sich Susanna Worbes, die geschäftsführende Pfarrerin. Das mag auch daran gelegen haben, dass in den historischen Bestand nicht eingegriffen wurde. Nur sechs neue Löcher habe man in die Holzdecke gebohrt und ansonsten die alten verwendet, erläutert Kreuz.

Ausgewählt hat Kreuz in Zusammenarbeit mit dem Kirchengemeinderat in einem dunklen Goldton lackierte Metallzylinder mit einem doppelten Kranz aus Acrylglas. Es besteht zudem die Möglichkeit, das Licht nach oben zu strahlen. Die LED-Lampen können gedimmt werden und auch die Lichtfarbe verändern – je nachdem, welche Stimmung im Raum gewünscht ist. „Es kann zum Beispiel die Farbe von Kerzenflammen simuliert werden“, erklärt Kreuz.

Weil die Kirche nicht nur für verschiedene Gottesdienste, Trauungen und Beerdigungen, sondern auch für zahlreiche andere Veranstaltungen, vor allem Konzerte, genutzt wird, sollte eine vielfältige Beleuchtung möglich sein. Eine Lichtsteueranlage sorgt dafür, dass 18 eingespeicherte Licht-Szenarien auf Knopfdruck für die richtige Stimmung sorgen. Ein erfreulicher Nebeneffekt der neuen Beleuchtung: Etwa ein Drittel der bisherigen Energiekosten sorgen für viermal mehr Licht.

Rund 48 000 Euro kostet die neue Beleuchtung. Etwa ein Drittel kommt von der Evangelischen Landeskirche, weitere Zuschüsse geben Evangelischer Kirchenbezirk und Gesamtkirchengemeinde Esslingen. Die Kirchengemeinde selbst müsse rund 28 000 Euro aus Spenden und Rücklagen aufbringen, erläutert Kirchenpflegerin Friederike Rust. Das Spendenziel von 15 000 Euro habe man erreicht, freut sie sich. „Die Menschen in der Gemeinde unterstützen gerne großzügig Projekte.“ Weitere Zuwendungen sind willkommen. Sollten noch mehr Spenden eingehen, müsse man weniger aus den Rücklagen entnehmen, betont Worbes. Denn die Kirchengemeinde hat bereits ein neues Projekt im Auge: „Wir wollen sogenannte Hörschlaufen installieren, die es hörbehinderten Menschen leichter machen, dem Gottesdienst oder Veranstaltungen zu folgen“, so die Pfarrerin.

Auf der Baustelle: Friederike Rust, Petja Scherrieble, Enno Knospe, Susanna Worbes, Urban Kreuz (v.l)

Deckenbeleuchtung

Kirchenraum neu ausgeleuchtet