21.07.20

Abschied

Susanne Schock verabschiedet sich als Kindergarten-Fachberaterin des Kirchenbezirks.

Susanne Schock

Ein wenig Wehmut schwingt mit, auch wenn der Abschied bewusst gewählt ist:
Nach 34 Jahren als Fachberaterin für die evangelischen Kindertageseinrichtungen im Evangelischen Kirchenbezirk Esslingen sagt Susanne Schock adieu. Für die 64-Jährige beginnt am 1. September die Altersteilzeit.

Noch aus dem Studium der Sozialpädagogik heraus bewarb sich die gelernte Erzieherin um die vor kurzem geschaffene Stelle einer Kindergarten-Fachberaterin des Evangelischen Kirchenbezirks. Mit der Fachberatungsstelle hatte die Kirche in Esslingen Neuland betreten. „Der Kirchenbezirk erkannte früh, dass man die Gemeinden und die Erzieherinnen nicht allein lassen darf“, erinnert sich Schock an diese Zeit des Aufbruchs, in der die Kirchengemeinden ihr Engagement in der Kinderbetreuung stetig ausbauten.

Susanne Schocks Aufgabe war es, die Träger wie auch die pädagogischen Mitarbeiterinnen in den Kitas zu beraten und zu begleiten. Dabei konnte sie die eigenen Erfahrungen aus der Praxis als Erzieherin und die Inhalte ihres Studiums gut einbringen. Jedes Jahr stellte sie ein umfangreiches Fortbildungsprogramm für die pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusammen, damit diese fachlich auf dem neuesten Stand sind.

Fasziniert an der Stelle habe sie, dass sie nicht Dienst- und Fachaufsicht war, sondern Dienstleisterin für die Einrichtungen und Gemeinden. „Ich konnte meinen Schwerpunkt auf das Begleiten, Fördern und Unterstützen legen.“ Um ihre Beratungskompetenz zu steigern, absolvierte sie Zusatzausbildungen als Coach und Organisationsberaterin. Sie beriet die Kita-Teams oder auch einzelne Mitarbeiterinnen in den Fragen der täglichen Arbeit oder bei Konflikten, unterstützte in Veränderungsprozessen und in baulichen Angelegenheiten.

Wie wichtig die Unterstützung bei neuen Anforderungen im Kita-Alltag ist, habe sich jüngst in der Corona-Krise gezeigt. „Wir hatten kein Übungsfeld und alle hatten Angst, einen Fehler zu machen“, erzählt die Fachberaterin. Da fiel ihr auch die Rolle zu, Ängste zu nehmen.

Als Netzwerkerin war Susanne Schock an vielen Stellen auf kommunalpolitischer Ebene unterwegs. Neben der Beratung habe die Gremienarbeit im Lauf der Jahre immer breiteren Raum eingenommen. In den vergangenen drei Jahrzehnten hat Susanne Schock viele Veränderungen in der Kinderbetreuung miterlebt. Dies betraf nicht nur den Ausbau der Betreuungszeiten und unterschiedlicher Betreuungsformen. Auch die fachlichen Anforderungen an das pädagogische Personal, vor allem die Kita-Leitungen, seien gestiegen. Auch gelte es immer mehr Vorschriften und Regeln zu beachten.

Bildung und Frühförderung nähmen heute breiten Raum ein. Auch Eltern forderten dies stärker als früher ein. Schock treibt die Sorge um, „dass darüber Beziehungsarbeit verlorengehen kann“. Sie gibt zu bedenken: „Bildung ist ganzheitlich und von einer tragfähigen Beziehung abhängig. Es gibt auch andere Lernerfolge als nur die, die messbar sind.“

Dass sich die evangelische Kirche in der Kinderbetreuung engagiert und dieses Arbeitsfeld kontinuierlich ausgebaut hat, sei eine große Chance, die man in Esslingen früh erkannt habe. „In der Arbeit mit Familien kann die Kirche punkten und sich nach außen präsentieren“, ist Schock überzeugt. Dass die Kirche als Arbeitgeberin bei den Erzieherinnen und Erziehern beliebt ist, zeige sich daran, dass es wenig Fluktuation unter dem Personal gebe und nur wenige Stellen nicht besetzt seien. „Wir sind ein attraktiver Arbeitgeber.“ 

Als kirchliche Träger legen die Kirchengemeinden Wert auf religiöse Erziehung. Das bedeutet jedoch auch, den interreligiösen Dialog zu führen, betont die Fachberaterin. Dass die christlichen Einrichtungen auch bei Eltern anderer Religionen gefragt sind, hat Schock oft erfahren: „Muslimische Familien wünschen sich häufig eine kirchliche Kita, weil dort eine Haltung zur Religion vertreten und dadurch Werte und Orientierung vermittelt werden.“

Jetzt freut sich Susanne Schock auf die Freiräume, die die Altersteilzeit ihr bieten wird. Gemeinsam mit ihrer Frau, Pfarrerin Christiane Wellhöner, will sie Zeit haben. Auch für die Musik soll wieder mehr Platz sein. Und auch viele Freundinnen warten darauf, mit ihr gemeinsam etwas zu unternehmen. „Ich kann mir auch vorstellen, irgendwann meine Beratungskompetenzen freiberuflich einzubringen. Doch jetzt will ich mich erst einmal ein Jahr lang langweilen“, sagt sie schmunzelnd.