26.02.19

Kirchengemeinde Köngen

Birgit und Dr. Ronald Scholz teilen sich die Pfarrstelle in Köngen – Investitur am 3. März

Birgit und Ronald Scholz

Noch sind etliche Umzugskartons nicht ausgepackt. Doch Birgit und Dr. Ronald Scholz fühlen sich in Köngen schon heimisch. Die beiden teilen sich dort die Pfarrstelle Köngen-Nord der Evangelischen Kirchengemeinde. Gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter Emma Luise sind sie vor kurzem ins Pfarrhaus neben der Kirche eingezogen.

Beide hatten zunächst andere Berufswege im Sinn, bevor sie sich für die Theologie entschieden. Birgit Scholz, die in Lauingen geboren wurde, wollte eigentlich Musik studieren und besuchte deshalb das Evangelische Internat Michelbach. Neben dem Schwerpunkt Musik belegte sie als Profilfach Diakonie. „Religion interessierte mich schon immer“, sagt die 31-Jährige. Vor allem musikalisch war sie in der kirchlichen Jugendarbeit unterwegs, spielte im Posaunenchor, in Bands oder saß an der Orgel. „Musik war für mich alles“, sagt sie heute noch. In Michelbach aber hat vor allem ihr Lehrer Sören Schwesig, heute Stadtdekan von Stuttgart, das Interesse geweckt, sich wissenschaftlich mit dem Glauben auseinanderzusetzen. So entschied sie sich für ein Theologiestudium. Was sie antreibt? „Ich möchte der Gemeinde die Gewissheit vermitteln, dass Gott wie ein liebender Vater immer mit offenen Armen auf uns wartet“, sagt Birgit Scholz im Blick auf ihr Lieblingsgleichnis vom verlorenen Sohn.

Birgit Scholz ist überzeugt, dass sie beide Leidenschaften, Musik und Religion, im Pfarramt gut verbinden kann. Deshalb kommt es ihr sehr entgegen, dass in der Köngener Kirchengemeinde die Musik eine wichtige Rolle spielt.

Auch Ronald Scholz wählte nach Abitur und Wehrdienst zunächst ein Jurastudium, obwohl er „schon mit 13 Jahren eigentlich Pfarrer werden wollte“. Nach dem Jura-Abschluss sei dieser Wunsch, der zwischenzeitlich etwas in den Hintergrund getreten war, wieder wach. „Die innere Stimme meldete sich und ich spürte ganz deutlich die Berufung ins Pfarramt“, erzählt der gebürtige Groß-Gerauer. Und so begann der heute 39-Jährige ein Theologiestudium. Dabei lernte er auch seine heutige Frau kennen. Scholz promovierte über das ethische Dilemma in der Polizeiseelsorge, ein Thema, das an der Schnittstelle von Jura und Theologie angesiedelt sei, so Scholz. Eine wichtige Erfahrung sei auch die Arbeit im Seehaus in Leonberg gewesen, einer diakonischen Einrichtung des Jugendstrafvollzugs in freier Form. „Die Erfahrung, dass Gott zu den Menschen gekommen ist und Höhen und Tiefen des menschlichen Daseins mit uns geht, das möchte ich gerne weitergeben.“

Das Vikariat absolvierte Birgit Scholz in Stuttgart-Vaihingen, während ihr Mann an der Christuskirche in Böblingen als Vikar tätig war. „Dass im dortigen ökumenischen Gemeindezentrum Protestanten und Katholiken gemeinsam den Glauben feiern, habe ich als sehr fruchtbar erlebt“, erzählt Ronald Scholz. Auch in Köngen ist ihm die Ökumene deshalb ein wichtiges Anliegen.

Zuletzt arbeitete das Pfarrer-Paar im Dekanat Ulm: Birgit Scholz war Pfarrerin der drei Kirchengemeinden Weidenstetten, Neenstetten und Holzkirch-Breitingen, während Ronald Scholz die Gemeinde Altheim/Alb leitete. In Köngen jetzt nur noch für eine Gemeinde zuständig zu sein, werde vieles einfacher machen, ist Birgit Scholz überzeugt. „Die Verwaltungsarbeit ist überschaubarer und dies lässt uns mehr Zeit für unsere eigentlichen Aufgaben, die Verkündigung, Seelsorge und Begegnung mit Menschen“, ergänzt Ronald Scholz.

In Köngen werden sie zwei unterschiedliche Seelsorgebezirke betreuen. Birgit Scholz wird darüber hinaus für Kirchenmusik, Konfirmandenunterricht und Jugendarbeit zuständig sein – Themen, die ihr am Herzen liegen. Ronald Scholz hingegen wird einen Großteil der Verwaltungsaufgaben übernehmen und Sitz und Stimme im Kirchengemeinderat und der Synode des Kirchenbezirks haben. Auch Öffentlichkeitsarbeit und Bauangelegenheiten fallen in sein Ressort. Den Religionsunterricht werden sich die beiden aufteilen. „Ganz genau kann man die Grenzen sicher nicht ziehen, in vielen Bereichen wollen wir auch beide präsent sein“, so Birgit Scholz. Jeder der beiden wird jeweils einen halben Tag im Pfarramt sein und zwar im Wechsel vormittags oder nachmittags. Das lasse ihnen genug Freiraum für die eineinhalbjährige Tochter.

Die Stellenteilung empfinden sie als guten Weg, Beruf und Familie zu vereinbaren. Sie wissen aber auch: „Es ist ein Experiment.“ Damit das gut klappt, werden sie erstmals einen gemeinsamen Kalender führen. Und noch etwas haben sie sich vorgenommen, um Berufliches und Privates zu trennen: Dienstliches nicht am Familientisch zu besprechen.

Für die Kirchengemeinde könne solch eine „Zweier-Kombi“ ein Gewinn sein, wenn zwei verschiedenen Persönlichkeiten ihre unterschiedlichen Gaben und Stärken ins Gemeindeleben einbrächten, meint Ronald Scholz. Auch theologisch seien sie unterschiedlich, was sich unter anderem in ihren Predigten ausdrücke, ergänzt seine Frau.

An der Gemeindearbeit schätzen die beiden, dass dort die Vielfalt menschlichen Lebens zum Tragen komme und sie den unterschiedlichsten Menschen in den  verschiedensten Lebenslagen begegneten. „Jeder Tag ist anders und man weiß morgens nie, was kommt“, sagt Ronald Scholz. „Miteinander unterwegs sein mitten im Leben“, das gefällt Birgit Scholz. Sie möchte „der Kirche ein offenes und freundliches Gesicht geben“. Auf die Begegnung mit den Menschen in Köngen und die seelsorgerliche Begleitung freuen sich beide sehr.

Im Dekanat Ulm war Ronald Scholz Beauftragter für Weltanschauungsfragen. „In einer Zeit der Säkularisierung einerseits und des zunehmenden religiösen Pluralismus andererseits muss sich die Kirche positionieren.“ Kirche könne im interkulturellen und interreligiösen Dialog auch Brückenbauer sein in einer multi-kulturellen und multi-religiösen Gesellschaft. Solche gesellschaftlichen Prozesse zu begleiten und zu einem guten Miteinander von Menschen unterschiedlicher Kultur und verschiedenster Lebensentwürfe beizutragen, sehen die beiden als wichtige Aufgabe. „Die Kirche sollte ein Ort und eine Gemeinschaft sein, an dem alle Menschen willkommen sind“, sagt Ronald Scholz. Ein offenes Pfarrhaus zu führen, ist ihnen deshalb ein Anliegen.

Köngen hat die kleine Familie bereits als Ort kennengelernt, an dem sie herzlich willkommen geheißen wurden. „Wir bekamen sehr viel Unterstützung angeboten“, erzählt Birgit Scholz. Auch bei der Renovierung des Pfarrhauses und des Gartens hätten sich viele Ehrenamtliche eingebracht.

•    Birgit und Ronald Scholz werden in einem feierlichen Investitur-Gottesdienst am Sonntag, 3. März, um 10 Uhr in der Peter- und Paulskirche Köngen von Dekan Bernd Weißenborn in ihr neues Amt eingesetzt. Im Anschluss gibt es bei einem Stehempfang Gelegenheit, das neue Pfarrer-Paar kennenzulernen.