26.03.19

Kirchenpflege

Frank Kaltenborn ist als Kirchenpfleger künftig für die kirchlichen Finanzen in Esslingen zuständig.

Frank Kaltenborn

„Kirchenpfleger“ und „Kirchenbezirksrechner“ sind die offiziellen Bezeichnungen für die neuen Ämter von Frank Kaltenborn. Der 49-Jährige ist künftig für die Finanzen der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Esslingen und des Evangelischen Kirchenbezirks zuständig. In den kirchlichen Dienst zu treten, war ihm nicht in die Wiege gelegt.

Geboren wurde Kaltenborn, der seit zehn Jahren mit seiner Frau in Esslingen lebt, in Halle an der Saale. Eine kirchliche Erziehung war in der ehemaligen DDR eher unüblich. Und so wurde er weder getauft noch konfirmiert. Doch die christlichen Werte spielten in seiner Familie sehr wohl eine Rolle. Frank Kaltenborn machte zunächst eine Ausbildung zum Zahntechniker. „Mit der Wende eröffneten sich mir neue Möglichkeiten“, erzählt er. Also sattelte er eine Ausbildung zum Staatlich geprüften Betriebswirt und ein Abendstudium zum Geprüften Bilanzbuchhalter drauf.

Und auch in anderer Hinsicht orientierte er sich neu. In der Wendezeit engagierte sich Kaltenborn politisch, war im Herbst 1989 Mitgründer der ersten freien Jugendorganisation in Sachsen-Anhalt und Anfang der 1990er-Jahre stellvertretender Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen. Über Mahnwachen und Montagsgebete kam Kaltenborn in der Wendezeit in Kontakt mit kirchlichen Kreisen. Die Ereignisse dieser Jahre ließen ihn neu über das Leben nachdenken, sagt er. „Es war ein langsamer Prozess hin zum christlichen Glauben“, erzählt Kaltenborn. 2017 ließ er sich schließlich taufen. Der Glaube hat ihn verändert: „Ich bin demütiger geworden, auch im Kontakt mit Menschen.“

Beruflich ging es Mitte der 1990er Jahre in den Westen. Nach verschiedenen Stationen wurde Kaltenborn 2003 Leiter der Bereiche Finanzen und Beitrag bei der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart.

Der Wechsel in den kirchlichen Dienst ist für den Finanzfachmann die folgerichtige Antwort auf eine Sinnfrage: „Für was und für wen arbeite ich?“ In der Kirchenpflege in Esslingen mit 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird er künftig unter anderem für Finanzen, Personalverwaltung und Bauabteilung zuständig sein. In seine Verantwortung fallen zudem die Verwaltung von Waldheim und Hospiz sowie die 15 Kindertageseinrichtungen. „Diese Vielfalt reizt mich.“

Den Wandel in der Kirche mitzugestalten, sei eine hochinteressante Aufgabe, denn die Kirche stehe vor großen Herausforderungen, betont Kaltenborn. So gelte es, den Haushalt von Gesamtkirchengemeinde und Kirchenbezirk strukturell zu optimieren und das Immobilienkonzept weiterzuentwickeln und umzusetzen. Auch Bauprojekte gelte es zu begleiten. „Ich sehe mich als Impulsgeber und Gestalter.“ Der neue Kirchenpfleger hat ein klares Ziel vor Augen: „Damit die Evangelische Kirche ihren Auftrag mit den größtmöglichen Gestaltungsmöglichkeiten auch in Zukunft wahrnehmen kann und nachfolgende Generationen noch Handlungsspielräume haben, müssen wir heute die Weichen stellen.“

In seiner neuen Aufgabe werde es darum gehen, „unterschiedliche Interessen zu navigieren“. Dabei werde ihm die Eigenschaft helfen, dass er gut im ausgleichenden Gespräch Lösungen finden könne. „Ich begreife mein Gegenüber als Partner, mit dem ich einen Ausgleich der Interessen erreichen möchte.“ An der Gremienarbeit schätzt er, „dass man mit ganz verschiedenen Personen zusammenkommt, die Dinge aus unterschiedlicher Perspektive sehen. Das verhindert Betriebsblindheit“, ist Kaltenborn überzeugt.

Sein christlicher Glaube werde in der täglichen Arbeit zum Tragen kommen: „Ich will mit den Mitarbeitern auf der Basis christlicher Werte kommunizieren.“ Die Fürsorge für die Mitarbeiter sei ihm wichtig. „Das bedeutet, den christlichen Auftrag ein Stück weit zu leben.“
In seiner Freizeit reist der leidenschaftliche VfB-Fan gerne. Erst vor kurzem ist er von einer Reise nach Sri Lanka zurückgekehrt.

·    Am 14. April wird Frank Kaltenborn um 10.30 Uhr im Gottesdienst in der Stadtkirche St. Dionys in Esslingen von Dekan Bernd Weißenborn in sein neues Amt eingesetzt.