27.03.20

ES-Zollberg

Das neue Haus wartet nur noch auf die Kinder: Kindertagesstätte in Esslingen-Zollberg ist fertig.

Am Außenbereich werden noch letzte Arbeiten gemacht

Gruppenraum

Küche mit gemeinsamem Essbereich

„Ich bin ganz wild darauf zu starten“, sagt Andrea Heuser, die Leiterin des Evangelischen Kindergartens Esslingen-Zollberg. Mehr als ein Jahr lang haben sie und ihre Kolleginnen mit den Kita-Kindern in Containern ausgeharrt, während nebenan anstelle ihres bisherigen Kindergartens ein großes neues Gebäude entstanden ist. Das Haus ist bis auf wenige kleine Arbeiten fertig und wartet nur noch darauf, dass die Kinder nach der Corona-bedingten Schließung in ihren neuen Kindergarten einziehen.

Das alte Gebäude, in dem neben dem Kindergarten auch Gemeinderäume der evangelischen Kirchengemeinde untergebracht waren, sei sowohl vom baulichen Zustand als auch vom Brandschutz her nicht mehr zeitgemäß gewesen, erklärt Florian Hartmann, der Leiter der Bauabteilung der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde, die Träger der Kita ist.

Doch bevor das alte Gebäude abgerissen werden konnte, wurden unter der gegenüberliegenden Christuskirche neue, kompakte und behindertengerechte Gemeinderäume geschaffen. Erst dann konnte mit dem Bau dem Bau der Kita begonnen werden. Bauherrin ist die Evangelische Gesamtkirchengemeinde. „Alles in allem für unsere Verhältnisse eine Großbaustelle“, sagt Dekan Bernd Weißenborn. Statt zwei Kindergartengruppen finden im Neubau auf 830 Quadratmetern vier Gruppen mit insgesamt 66 Plätzen Raum. Auf Wunsch der Stadt habe man von den ursprünglich geplanten drei auf vier Gruppen aufgestockt, so Weißenborn.

Für die Architekten war der Bau eine Herausforderung, sagt Werner Barth, Chef des Architekturbüros Barth und Partner. Eine so große Kita in einer Umgebung mit überwiegend Ein- oder Zweifamilienhäusern zu bauen, erfordere „größte Rücksichtnahme auf die Nachbarschaft“. Deshalb habe man vor der Einreichung des Baugesuchs mit allen Anliegern gesprochen und das Projekt vorgestellt. Barth war es ein Anliegen, den Bau in die Umgebung einzubinden. Das zeigt sich unter anderem in der Farbgebung. Die in hellen Beigetönen gehaltene Fassade, die vollständig recyclebar ist, ist zum Tal hin verputzt, zur Straße trägt sie Faserzementplatten in abgestuften Beige- und hellen Brauntönen, die eine Streifenstruktur geben. Hinzu komme eine extreme Wärmedämmung um hohen Umweltstandards gerecht zu werden, so Barth. Die Flachdächer sind extensiv begrünt.

Um ins Innere möglichst viel Licht hinein zu lassen und den weiten Blick nach außen zu ermöglichen, hat Barth im ganzen Bau große Fensterflächen vorgesehen. Warme, sanfte und helle Töne bestimmen auch die Farbgebung im Inneren: Jeder Gruppenraum hat eine andere Fußbodenfarbe, die an den Außenwänden wieder aufgegriffen wird und so zur besseren Orientierung der Kinder beiträgt. Bei den Decken setzte Barth auf Holzdecken aus schmalen Tannenholzleisten mit eingebauten Leuchtkörpern. Die Gemeinschaftsräume haben einen Bodenbelag in sonnigem Gelb.

Auf zwei Etagen befinden sich nun vier großzügige Gruppen- und drei Schlafräume, dazu eine Küche mit offenen Essbereich und Podesten, damit die Kinder mitkochen können. Außerdem Sanitär-, Hauswirtschafts-, Personal- und weitere Nebenräume. Die Kinder über drei Jahre sind in den drei Gruppen im Erdgeschoss zu Hause, die Krippenkinder haben im Gartengeschoss ihren separaten Bereich. Dort befindet sich auch ein gemeinsamer Mehrzweckraum, in dem Kletterwand, Hängeschaukel und andere Geräte zum Bewegen einladen.

Das neue Haus biete viele zusätzliche Möglichkeiten, sagt Heuser, die sich auch über die neue Möblierung mit hellen Holzmöbeln freut. Ein besonderes Highlight: mobile Schränke, die mit Materialien für unterschiedliche Projekte bestückt sind. Sie können von Raum zu Raum gefahren und dort genutzt werde, wo sie gerade gebraucht werden – für Kunst-, Musik- oder Verkleidungsprojekte. Hinterher ist dann alles wieder schnell verstaut. Zudem sollen die Gruppenräume verschiedenen Aktivitäten zugeordnet werden: Bauen und Konstruieren, Kreativbereich, Rollenspiel und Puppen, nennt Heuser. Statt eines vollgestopften Dachbodens habe man nun einen großzügigen Materialraum, in dem alles übersichtlich geordnet sei. Vor allem aber freut sich Heuser auf den großen Garten mit Spielgeräten, die zur Kreativität anregen, Hochbeeten oder einer Sandlandschaft mit Wasserpumpe, wo sich die Kita-Kinder so richtig austoben können.

Im neuen Kindergarten wird es künftig unter anderem ein gemeinsames, gesundes Frühstücksbüffet geben. „Im Neubau haben wir viel bessere Bedingungen und mehr Möglichkeiten für flexible Betreuungszeiten und Ganztagesbetreuung“, sagt Sabine Maier, die pädagogische Leiterin der evangelischen Kitas in der Gesamtkirchengemeinde. So werden künftig nicht nur Kinder unter drei Jahren aufgenommen, auch die verlängerten Öffnungszeiten werden auf sieben Stunden erweitert. Maier lobt das große Engagement der Erzieherinnen in der Zeit in den Containern und auch während des Aus- und wieder Einräumens der Kita.

Die Zeit in den Containern sei für die Kinder spannend und für die Erzieherinnen erträglich gewesen: „Es war weniger schlimm als befürchtet“, sagt Heuser. Auch die Eltern hätten viel Verständnis für die Ausnahmesituation gezeigt. Dank einer guten Zusammenarbeit mit der benachbarten Kirchengemeinde habe man bei Bedarf auf kirchliche Gemeinderäume oder die Wiese rund um die Kirche ausweichen können. „Das half uns sehr.“ Der Lärmpegel in den Metallcontainern sei allerdings erheblich gewesen. Deshalb freut sie sich auf die lärmschluckenden Akustikdecken in der neuen Kita.

Die Gesamtkosten für den Neubau belaufen sich auf rund 2,7 Millionen Euro. Die Stadt Esslingen beteiligt sich mit etwa 2,3 Millionen Euro, das sind 85 Prozent. 140000 Euro kommen als Zuschüsse von der Evangelischen Landeskirche und dem Kirchenbezirk Esslingen. Als Eigenanteil muss die Evangelische Gesamtkirchengemeinde rund 260000 Euro selbst tragen.

Barth ist froh, dass der Bau reibungslos ablief und der Kostenrahmen eingehalten werden konnte. Eine Herausforderung sei allerdings in Zeiten der Hochkonjunktur die terminliche Abwicklung gewesen. Einen zeitlichen Rückschlag gab es, als die Fassadenplatten angeliefert wurden und rund 70 Prozent davon beschädigt waren.

Anfang April sollen nun die Container abgebaut werden. Dann werden die Außenanlagen vollends fertiggestellt. Den rund 1000 Quadratmeter großen Grundstücksteil, auf dem die Container stehen, will die Gesamtkirchengemeinde als Teil des Finanzierungskonzepts verkaufen. „Trotzdem bleiben noch relativ große Außenflächen, die weit über den gesetzlichen Richtlinien liegen“, erläutert Hartmann.

Sobald die durch die Corona-Krise bedingte Schließung der Kitas beendet ist, kann im neuen Kindergarten der Betrieb losgehen. Weißenborn betont: „Die Kindergartenarbeit hat für uns einen hohen Stellenwert. Diese auf dem Zollberg zu erhalten und zu stärken, ist uns sehr wichtig. Kindern christliche Werte zu vermitteln, ihnen ein sie menschlich, pädagogisch und religiös förderndes Umfeld zu ermöglichen und Zugänge zum Glauben, zur Kirche und zur Gemeinde zu eröffnen, leitet uns.“