27.11.19

Advent

Jedes Jahr gleich und doch ganz neu und anders: Impuls zum Advent von Pfarrer Jochen Keltsch.

Mit dem ersten Advent beginnt für die Kirche ein neues Kirchenjahr. Mit jeder Kerze, die ich anzünde, wird meine Erinnerung an seine uralte Verheißung wieder genährt und meine Sehnsucht auf sein neues Kommen wieder entfacht. Jedes Jahr ist es das gleiche und jedes Jahr ist es wieder ganz neu und anders.

Die Verheißung lautet seit alters her: Gott will diese Welt erlösen, er will sie nicht den finsteren Mächten überlassen, die so furchtbar in ihr wüten können und sie bedrängen. Er will nicht, dass Angst und Schrecken uns im Griff haben, sondern dass wir hoffnungsvoll und zuversichtlich in die Zukunft schauen und gehen können. Gott will abwischen alle Tränen. Er will sein Recht und seine Gerechtigkeit aufrichten. „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer“ – so hat der Prophet Sacharja ihn angekündigt.

Denn Gott sieht, worunter sein Volk leidet. Schließlich schickt er sich selber, um in unsere Welt zu kommen und um unser Leben zu teilen, mit allen Tiefen und Höhen. Kommt zu uns. Als wirklicher Mensch. Und zeigt uns, was es heißt, als Mensch zu leben und zu lieben. Dazu bedarf es aber zunächst einer ganzen Reihe an Vorkehrungen, damit wir sein Kommen auch wahrnehmen können. Seine Engel hat er gesandt zu Zacharias, den Vater des Johannes. Zu Maria und Josef, um sie mitzunehmen in dieser wunderbaren Geschichte und schließlich zu den Hirten. Der Täufer Johannes soll sein Wegbereiter werden. Die Heiligen drei König, Weisen aus dem Morgenland, werden seine Zeugen.

Das alles will wieder erzählt, erinnert, bedacht werden. Unsere Sinne sollen für sein Kommen geschärft werden. Denn das alles ist so wunderbar – kaum zu glauben eben, aber wahr. Und wenn es dann soweit ist - wenn die Zeit erfüllt ist - kommt alles ganz anders. So sehr erwartet, so sehr ersehnt und dann doch ganz anders. Viel unscheinbarer, kleiner, leiser, niedriger als erwartet und doch viel liebevoller, leichter und gelassener als gedacht. Und so kommt er bis heute immer wieder – nicht nur an Weihnachten.

Er kommt auch dann, wenn mich diese Welt ganz und gar in ihren Fängen hat und ihre Sachzwänge und Anforderungen mich zu ersticken drohen oder wenn der Vorweihnachtsstress mir über den Kopf wächst. Da tun sich neue Türen auf und neue Wege zeichnen sich ab. Da steht mir auf einmal jemand zur Seite und spricht genau das, was ich hören muss und mir nicht selber sagen kann.  Da wird mir jemand zum Engel, ohne dass er es selber merkt. Nur hinterher frage ich mich: Hat er da selber zu mir gesprochen, oder war da „nur“ sein Engel am Werk?

Pfarrer Jochen Keltsch, Aichwald.