28.10.19

Aichwald

Die Evangelische Kirchengemeinde Aichwald entstand vor zehn Jahren.

Pfarrer Jochen Keltsch, Dorothea Gadesmann, Konrad Steinbach, Traugott Fetzer (v.l.) vor der Krummhardter Kirche und dem Kugelahorn, der zur Fusion gepflanzt wurde.

Eine Zwangsheirat sei es nicht gewesen, betont der Aichwalder Kirchengemeinderat Traugott Fetzer. Vielmehr wohlüberlegt und keinesfalls überstürzt schlossen sich vor zehn Jahren die drei zuvor eigenständigen Kirchengemeinden Aichschieß-Krummhardt, Schanbach-Lobenrot und Aichelberg zur Evangelischen Kirchengemeinde Aichwald zusammen mit heute 3100 Mitgliedern. Sie haben sich Zeit gelassen und sehen sich noch immer auf dem Weg. „Wir haben es von Anfang an als Prozess begriffen“, sagt Konrad Steinbach, der Vorsitzende des Kirchengemeinderates. Ihm sei wichtig gewesen, „selbst zu gestalten, bevor andere etwas für uns entscheiden“.

Die Anfänge des Zusammenschlusses reichen zurück bis in die 1970er Jahre. Damals bildete man einen Gesamtkirchengemeinderat und stellte einen gemeinsamen Haushaltsplan auf. Die Gemeinden blieben jedoch selbständig. 2004 regte der damalige Esslinger Dekan Dieter Kaufmann an, doch zu überlegen, ob es nicht zu aufwändig sei, wenn jede der drei Kirchengemeinden das volle Programm anbietet, erinnert sich Pfarrer Jochen Keltsch. 2007 fiel der Beschluss, sich zusammenzutun – einstimmig, wie Keltsch betont. Ein zu diesem Zweck gebildeter Ausschuss brachte die Fusion auf den Weg. Doch es dauerte noch zwei Jahre, bis sie vollzogen war.

„Wir haben schon überlegt, ob es vorauseilender Gehorsam ist oder eine zukunftsweisende Entscheidung“, sagt Keltsch. Im Nachhinein ist er froh über den Entschluss. Vor allem angesichts des neuen Pfarrplans, der bis 2024 den Wegfall einer weiteren halben Pfarrstelle in Aichwald vorsieht. Zu Beginn des Fusionsprozesses hatte Keltsch noch eine Kollegin und einen Kollegen, jetzt teilt er sich mit Konrad Mohl die Aufgaben im Pfarramt. Die beiden haben sich Schwerpunkte gesetzt. Auch die Verwaltung sei gestrafft worden. Die drei Kirchengemeinderäte wurden aufgelöst und durch einen 15-köpfigen Kirchengemeinderat ersetzt, in dem alle Teilorte anteilig vertreten sind. In sogenannten Parochie-Ausschüssen können jedoch Dinge besprochen werden, die die Kirchenmitglieder in den Teilorten beschäftigen. „Die Organisation ist viel einfacher geworden“, sagt Kirchengemeinderätin Dorothea Gadesmann. „Im großen Kirchengemeinderat kann man vieles gut besprechen, es gibt viele Meinungen und Erfahrungen.“

Natürlich habe man Abstriche machen müssen, betont Keltsch. Das betrifft unter anderem die Gottesdienste. Während die drei Pfarrer in den vier Aichwalder Kirchen bis 2011 sonntags noch mindestens drei Gottesdienste hielten, werden es ab dem kommenden Jahr nur noch ein bis zwei sein. Inzwischen feiere man viele Gottesdienste gemeinsam in einer Kirche. Ältere Gemeindemitglieder täten sich schwer damit, die Kirche in einem anderen Ortsteil zu besuchen, weiß Gadesmann. Doch offensichtlich hat das weniger mit mangelnder Mobilität zu tun, als mit Gewohnheit. Denn alle Fahrdienst-Angebote seien praktisch nicht angenommen worden, sagt Fetzer. Er findet sogar: „Dass man beweglicher sein muss, macht es belebender. Es sind mehr Menschen im Gottesdienst beisammen.“ Und auch Keltsch erklärt: „Wir haben zwar weniger Gottesdienste, aber nicht weniger Gottesdienst-Besucher.“

Steinbach ist überzeugt: „Man darf nicht nur darauf schauen, was man verliert, sondern was man gewinnt.“ Alles, was man in den letzten Jahren neu begonnen habe, sei auf die Gesamtgemeinde bezogen, nennt er unter anderem Gospelchor und Konfi 3, Gemeindeessen, Offener Abend oder Gemeindereisen. Auch die Jugendarbeit, die vor allem Diakon Tobias Schulz verantwortet, ist gemeindeübergreifend angelegt. Einiges ist nur im größeren Verbund möglich. Auch die Vier-Kirchen-Stiftung ist ein Kind des Zusammenschlusses. Vier historische Kirchen und drei Gemeindehäuser erfordern einen hohen Erhaltungsaufwand. Dazu will die Stiftung beitragen. Man will keines der Gebäude aufgeben. In den Kirchen wird abwechselnd Gottesdienst gefeiert und für die Gemeindehäuser bemühe man sich um gute Auslastung, sagt Gadesmann.

„Wir haben viele Probleme nicht, mit denen sich andere Gemeinden nun erst beschäftigen müssen“, sagt Keltsch. Denn auch dort müssten Pfarrstellen wegfallen und Aufgaben gebündelt werden.

•    Das Jubiläum wird am 3. November mit einem Festgottesdienst um 10 Uhr und einem Mittagessen in der Schurwaldhalle in Aichwald-Schanbach gefeiert. Bei dieser Gelegenheit stellen sich auch die Kandidatinnen und Kandidaten für den neuen Kirchengemeinderat vor.