29.01.20

Ökumene

Ökumenisch unterwegs: Krankenhaus-Seelsorge schließt Kooperationsvereinbarung.

Das Seelsorger-Team im Klinikum Esslingen: Catharina Buck, Susanne Englert, Susanne Hepp-Kottmann und Dorothea Gölz-Most (v.l.)

Dekan Paul Magino (l.) und Dekan Bernd Weißenborn mit der Kooperationsvereinbarung

Ökumenisches Miteinander wurde in der Klinikseelsorge in Esslingen schon lange großgeschrieben. Doch nun wurde die Zusammenarbeit der vier kirchlichen  Seelsorgerinnen, die am Klinikum Esslingen für Patienten und Mitarbeiter zuständig sind, in einer Kooperationsvereinbarung festgeschrieben. Diese regelt unter anderem Dienstpläne, Vertretungen und Einsatzorte. Esslingen hat damit die bundesweit bisher einmalige Rahmenvereinbarung, die vor wenigen Tagen von der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Evangelischen Landeskirche in Württemberg unterzeichnet wurde, den örtlichen Gegebenheiten entsprechend in eine konkrete Form gegossen. „Die Vereinbarung wurde aus der Praxis geboren. Klare Vereinbarungen sorgen für eine geordnete Zusammenarbeit“, sagt die evangelische Pfarrerin Susanne Englert.

Für den katholischen Dekan Paul Magino sind unter anderem die wachsenden Herausforderungen des Klinikalltags ein Grund, die Kooperation abzuschließen. Patienten verweilten wesentlich kürzer in den Kliniken und die Mitarbeitenden stünden unter einem deutlich höheren Druck als noch vor Jahren, nennt er zwei Beispiele. „Da sind wir auch als Seelsorger für das Personal gefragt“, ergänzt der evangelische Dekan Bernd Weißenborn. Umso wichtiger sei es, dass die Klinikmitarbeiter verlässliche Ansprechpartner hätten. Aus der Klinik bekomme man immer wieder die Rückmeldung, wie sehr der Dienst der christlichen Seelsorgerinnen dort geschätzt und auch gebraucht werde. Zugleich sei man dankbar, dass die Klinikleitung die Seelsorge stark unterstütze, so die beiden Dekane. Die heutige Hochleistungsmedizin stelle auch an die Seelsorge hohe ethische Herausforderungen, sagt die katholische Seelsorgerin Susanne Hepp-Kottmann. Deshalb regelt die Vereinbarung auch, wer von den Klinikseelsorgern im Ethik-Komitee der Klinik mitarbeitet.

Die Neuregelung schafft Transparenz: Jede der vier Seelsorgerinnen – neben Englert und Hepp-Kottmann Dorothea Gölz-Most und Catharina Buck -  ist für bestimmte Stationen zuständig. Dadurch wisse das Klinikpersonal, wen es bei Bedarf rufen könne, sagt Magino. Früher wurden die Patienten nach Konfessionen getrennt besucht. Auch die Dienstpläne, die Rufbereitschaft und Vertretungen werden in einer monatlichen Ökumenischen Konferenz festgelegt, so dass rund um die Uhr eine Seelsorgerin bereitsteht. Auch wer Dienste an der Krankenpflegeschule, der Schule für Kranke oder Fortbildungen übernimmt, wird nun ökumenisch abgesprochen. Es gibt zudem ein gemeinsames Gottesdienstkonzept. Dass die Seelsorgerinnen sich ein Büro und einen Gesprächsraum teilen, sorgt für kurze Wege bei den täglichen Absprachen.

Konfessionen spielten bei den seelsorgerlichen Bedürfnissen der Patienten eine eher untergeordnete Rolle, betonen Englert und Hepp-Kottmann. Ein säkulares System wie das Klinikum erfordere eine ökumenische Organisation der Seelsorge, ist Englert überzeugt. Die ökumenische Ausrichtung komme bei den Patienten gut an, berichtet Hepp-Kottmann. Das Wissen um konfessionelle Unterschiede sei dennoch wichtig. Wenn jemand Wert lege auf einen Seelsorger der eigenen Konfession, sei das problemlos möglich.  Konkret nimmt die Katholikin Hepp-Kottmann durchaus das evangelische Gesangbuch mit ans Krankenbett und Englert schätzt den katholischen Sterbesegen für die eigene Praxis.

Die katholische Dekanatsreferentin Simone Jäger betont: „Die Konfessionen werden durch die neue Regelung nicht aufgelöst.“ Wenn etwa das Sakrament der Krankensalbung gewünscht werde, komme ein Priester. Und wenn ein Patient auf eine andere Station wechsle, könne er selbstverständlich von der vertrauten Seelsorgerin weiter begleitet werden, so Englert. „Im Krankenhaus darf es kein Gegeneinander geben. Der biblische Auftrag, sich kranker Menschen anzunehmen, steht über dem, was uns konfessionell unterscheidet“, betont Weißenborn.

Die neue Zusammenarbeit erfordere eine gute Kommunikation, betont Hepp-Kottmann. Auch Machtansprüche oder Bestrebungen zur Profilierung hätten keinen Platz. „Wir sind vier sehr unterschiedliche Frauen, aber wir haben große Wertschätzung für die Eigenheiten der anderen.“ Dennoch soll die Vereinbarung nicht in Stein gemeißelt sein: „Sie kann sich aus der Praxis heraus wandeln“, erklärt Englert. Veränderungen könne es auch geben, wenn jemand das Team verlasse oder ein neuer Kollege dazukomme, sagt Jäger. Doch der Vertrag schreibt die Leitlinien fest. „Damit ist sie auch Grundlage, wenn sich jemand auf eine Stelle als Klinikseelsorger bewirbt“, betont Magino.
Alle vier Seelsorgerinnen sehen in den konkreten Vereinbarungen der Kooperation ein Modell auch für andere kirchliche oder diakonische Arbeitsfelder.