31.01.20

Neujahrsempfang

300 Gäste kamen zum ökumenischen Neujahrsempfang der Esslinger Kirchen.

Dr. Daniela Eberspächer-Roth

Die Kirchen haben eingeladen, und rund 300 Esslinger Bürgerinnen und Bürger sind zum ökumenischen Neujahrsempfang ins Gemeindehaus am Blarerplatz in Esslingen gekommen. Hauptrednerin war Dr. Daniela Eberspächer-Roth, Unternehmerin aus dem Landkreis Tübingen mit zwei metallverarbeitenden Betrieben. Ihr Thema: „Digitalisierung macht Menschen wichtiger.“

Eberspächer-Roth teilt nicht den ihrer Beobachtung nach verbreiteten „digital faith“, also den „Glauben an die Allmacht der digitalen Technik“. Denn Digitalisierung und Künstliche Intelligenz seien keine Selbstläufer. Sondern diejenige Technik werde sich durchsetzen, die von Menschen erstrebt und wertgeschätzt wird. Durch die Digitalisierung veränderten sich viele Berufsbilder. Mündigkeit und Kompetenz in der Beurteilung von komplexen Zusammenhängen gewinnen an Bedeutung, stereotype und gesundheitsschädliche Tätigkeiten werden dagegen zunehmend von Maschinen übernommen.

Eberspächer-Roth sieht in diesen Trends große Chancen für eine menschliche, digitalisierte Arbeitswelt. Sie selbst mache in ihren Unternehmen mit neuen, teamorientieren Prozessen gute Erfahrungen. Mitarbeiter fühlten sich wertgeschätzt, ihre Kreativität sei zunehmend gefragt. Für den Alltag der Zukunft werde sich eine neue Kultur des Umgangs mit digitaler Technik durchsetzen. Mit Blick auf die im Blarerhaus versammelten Menschen sagte Eberspächer-Roth: Letzten Endes ist eine Versammlung von echten Menschen „weitaus kreativer als eine Versammlung von Maschinen“. Immerhin hat das Gehirn jedes einzelnen Menschen „480 Milliarden hoch effektive Nervenzellen“.

Dekan Bernd Weißenborn, Pfarrer Stefan Möhler, Pastor Markus Bauder (v.l.)

„Am Beginn des neuen Jahres muss die Kirche sich mit manchen Schwierigkeiten auseinandersetzen. Doch sie hält fest an ihrem ‚Dennoch‘ des Glaubens“, sagte der Hausherr, der evangelische Dekan Bernd Weißenborn, in seinem Gruß zum neuen Jahr. Der Glaube gebe Orientierung, und diese sei in unübersichtlichen Zeiten gefragt. Etwa „bei der Frage nach der Haltung zu den Fremden, die bei uns wohnen“, bei der Frage von Armut und Reichtum, beim Klimawandel, bei Veränderungsprozessen in der regionalen Wirtschaft und bei den neuen Medien.

Auch Stefan Möhler, der geschäftsführende Pfarrer der katholischen Kirche in Esslingen, beobachtet ein Interesse für „die Inhalte des Glaubens.“ Kirchenvertreter dürften nicht den Fehler machen, so zu tun, als ob sie auf alle aktuellen Fragen eine Antwort hätten. „Es geht darum, dass wir vom christlichen Glauben her die richtigen Fragen stellen“, ist Möhler überzeugt.

Pfarrer Markus Bauder von der evangelisch-methodistischen Kirche gab einen Ausblick auf die gemeinsamen Veranstaltungen der Arbeitsgemeinschaft der christlichen Kirchen (ACK) im Jahr 2020. Ab 8. März wird die Frauenkirche für drei Wochen zur Vesperkirche. Im Mai kommt ein „Forgiveness-Projekt“, mit Ausstellung, Veranstaltungen und einer Kooperation mit der Eßlinger Zeitung. Auch ein „Blaulichtgottesdienst“ mit Rettungskräften ist geplant.

Unter den Festgästen waren die drei Esslinger Landtagsabgeordneten Andrea Lindlohr, Andreas Deuschle und Nicolas Fink, Finanzbürgermeister Ingo Rust und mehrere Gemeinderäte. Musikalisch wurde der Abend von Felix Muntwiler am Klavier umrahmt. Ein kulturelles Highlight war die Tanzperformance der neuen „TanzKompanie“ des französischen Choreografen Grégory Darcy.