31.07.20

Spendenaktion

Spendenkampagne fürs historische Pfarrhaus der Evangelischen Kirchengemeinde Köngen.

Andreas Rau, Pfarrer Dr. Ronald Scholz und Helga Gorzellik mit Modellhaus vor dem abgedeckten denkmalgeschützten Pfarrhaus

Derzeit steigen die Dachdecker dem historischen Köngener Pfarrhaus aufs Dach. Zum Abschluss der 2018 begonnenen energetischen Sanierung, der Renovierung der Pfarrwohnung und der Umgestaltung des Erdgeschosses, wo das Pfarramt Nord der Evangelischen Kirchengemeinde Köngen mit Gemeindebüro untergebracht ist, werden nun die alten Biberschwanzziegel entfernt, um das Dach zu dämmen. Bisher sind die direkt über den Sparren liegenden Ziegel der einzige Schutz für die Dachkonstruktion.

Die Dämmung ist energetisch notwendig und das Dachgeschoss kann so vollständig und dauerhaft genutzt werden. Zudem erhofft sich die Gemeinde Einsparungen bei der Heizenergie. „Leider hat der Denkmalschutz keine thermischen Solarkollektoren für die Heizung auf dem Dach genehmigt“, bedauert Andreas Rau, der als ehrenamtlicher Bauleiter fungiert. Deshalb werde man nun umfangreicher dämmen, erklärt der Bauingenieur. Auch die bisherigen braunen Ziegel fanden nicht das Wohlwollen der Denkmalschützer. Stattdessen werden künftig analog zur benachbarten Kirche naturrote Biberschwänze das Dach zieren. Ende August soll die Sanierung dann abgeschlossen sein. „Dann sind wir energetisch auf einem guten Stand auch wenn wir es beim Pfarrhaus nie auf einen modernen Wärmedämmstandard bringen werden“, sagt Rau.

Das 1844 errichtete Pfarrhaus ist Teil eines großen Sanierungsmarathons, in dem die Gemeinde gleich drei bedeutende Gebäude in den nächsten Jahren instand setzen muss. Neben dem Pfarrhaus auch die denkmalgeschützte Peter- und Paulskirche und das Gustav-Werner-Gemeindehaus. Fast eine Million Euro werden die Sanierungen insgesamt kosten. Gut 640 000 Euro kommen aus Zuschüssen und Rücklagen. Bleiben rund 350 000 Euro, die die Kirchengemeinde aus Spenden aufbringen will. Für das Pfarrhaus sind 212 000 Euro veranschlagt, 55 000 Euro sollen über Spenden zusammenkommen.

Die Kirchengemeinde hatte unter dem Motto „Tradition bewahren – Zukunft gestalten“ ein umfangreiches Fundraisingprogramm auf die Beine gestellt – und dann kam Corona. „Das hat uns praktisch komplett ausgebremst“, verweist Kirchengemeinderätin Helga Gorzellik auf eine lange Liste von Aktionen und Veranstaltungen, die allesamt ausfallen mussten. „Dadurch gingen natürlich auch viel weniger Spenden ein“, sagt Pfarrer Dr. Ronald Scholz. Insgesamt erhielt die Gemeinde gut 29 000 Euro, davon knapp 2200 Euro für das Pfarrhaus. Umdenken war angesagt. Warum nicht Ziegelpaten suchen? Wer die Dachsanierung unterstützen möchte, kann für 49,50 Euro die Patenschaft für einen Quadratmeter Dachziegel übernehmen. Um die Fortschritte zu verdeutlichen baute ein Kirchengemeinderat kurzerhand ein Holzmodell des Pfarrhauses, auf dem jeder „verkaufte“ Quadratmeter mit einer Schindel markiert wird. Sind alle 234 Quadratmeter an den Mann oder die Frau gebracht, ist auch das Modellhaus gedeckt. Es soll später übrigens im Pfarrgarten den Pfarrerskindern als Spielhaus dienen. Eine Gruppe in der Gemeinde wird zudem einen Teil der alten Ziegel künstlerisch gestalten oder bepflanzen, um weitere Spenden einzuwerben. Außerdem gibt es ab August wieder das Kirchenkino, dessen Erlös ebenfalls dem Pfarrhaus zu Gute kommen soll.

„Das Pfarrhaus spielt eine wichtige Rolle für die Kirchengemeinde. Es weist auf die Präsenz des Christlichen in unserer Gesellschaft hin und es ist nicht nur Wohn- und Arbeitsort, sondern bietet Menschen, die Hilfe brauchen, eine niederschwellige Anlaufstelle“, betont Scholz. „Und es war immer ein offenes Haus“, ergänzt Gorzellik. Das Köngener Pfarrhaus hat eine denkwürdige Geschichte, bot es doch als Teil der „Württembergischen Pfarrhauskette“ in der Nazizeit verfolgten jüdischen Menschen Schutz. Immer wieder beherbergte die Familie von Pfarrer Eugen Stöffler Juden. Zudem organisierte seine Frau Johanna Pfingsttreffen für junge Mädchen, die aus weitem Umkreis nach Köngen kamen. In diesem Jahr hätte man gerne das 80-jährige Bestehen groß gefeiert.
Weitere Informationen unter www.evkg-koengen.de