31.01.2019 | Neujahrsempfang

Younia Hilbert sprach beim ökumenischen Neujahrsempfang über verfolgte Christen im Irak

Es war kein leichtes Thema, das die Esslinger Kirchen beim ökumenischen Neujahrsempfang im Blarergemeindehaus den Besuchern zumuteten: „Verfolgte Christen“. Die chaldäisch-katholische Christin Younia Hilbert ist schon in den 1980er-Jahren aus dem Irak nach Deutschland gekommen. Sie berichtete über die Situation ihrer Kirche im Irak und auch in Deutschland.


„Es gibt einen schleichenden Exodus der Christen aus dem Irak seit den 1980er-Jahren. Ein Ende ist nicht in Sicht“, berichtet Hilbert. Viele haben in den Nordamerika, Australien und Europa eine neue Heimat gefunden. Die chaldäisch-katholische Kirche hat ihre Ursprünge in der ältesten orientalischen Christenheit. Von den ehemals rund 2 Millionen Mitgliedern leben Hilbert zufolge heute nur noch 300.000 im Irak. Besonders schlimm war ihre Lage von 2014 bis 2018 unter der Schreckensherrschaft des IS in Teilen des Iraks. In dieser Zeit wurden Häuser von Christen markiert. Sie bekamen zwölf Stunden Zeit, um entweder zu fliehen oder zum Islam überzutreten. Andernfalls wurden sie getötet.
Younia Hilbert hat eine neue Heimat gefunden. Sie engagiert sich in der chaldäisch-katholischen Kirchengemeinde Stuttgart, die seit 2014 ihre Heimat in Stuttgart-Rohracker hat. „Wir sind dankbar, dass wir in der neuen Heimat unseren chaldäischen Ritus feiern können“, sagt Hilbert. Es gibt mittlerweile ein buntes Gemeindeleben, mit Chor, Gesprächskreisen, Kinderstunden und Wallfahrten. „Letztendlich hat der IS unseren Glauben nicht zerstören können“, sagt Hilbert. „Im Gegenteil: Der Glaube ist gewachsen, er hat uns stark gemacht und uns Hoffnung gegeben.“ Ihre Gemeinde setzt sich gemeinsam mit der katholischen Diözese Rottenburg-Stuttgart für die Kirche im Irak ein.


Verfolgte Minderheiten wie die Chaldäer zu unterstützen, das ist der Auftrag des Esslinger Bundestagsabgeordneten Markus Grübel. Er ist Beauftragter der Bundesregierung für die weltweite Religionsfreiheit. Im Gespräch mit Dekan Bernd Weißenborn betonte Grübel, dass es in vielen Ländern wachsende Probleme mit der Religionsfreiheit gibt. Christliche Minderheiten in arabischen Ländern seien ebenso bedroht wie Minderheiten in China, religiöse Menschen allgemein in Nordkorea oder Menschen in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Dort würden Konflikte um Wasser- und Weiderechte durch religiöse Gegensätze verschärft.


In der Begrüßung hatte der katholische Vertreter, Esslingens geschäftsführender Pfarrer Stefan Möhler, dazu aufgerufen, als Christen Menschen in Not beizustehen. Und der Hausherr, der evangelische Dekan Bernd Weißenborn, sagte: „Wir setzen mit dem ökumenischen Neujahrsempfang das Zeichen, dass wir als Kirchen zusammenrücken und die Glaubensfreude aneinander stärken.“ Musikalisch gerahmt wurde der Abend von der „Schola Gregoriana“ mit Felix Muntwiler. Rund 300 Esslingerinnen und Esslinger waren der Einladung der Kirchengefolgt, darunter neben Markus Grübel auch die Landtagsabgeordneten Andrea Lindlohr und Wolfgang Drexler und Mitglieder des Esslinger Gemeinderates.


Christoph Schweizer