11.10.19

Solidarität

Rund 150 Teilnehmende kamen zur Solidaritätskundgebung vor der Esslinger Synagoge.

Am Donnerstagabend, dem Abend nach dem antisemitischen Anschlag von Halle, haben sich vor der 200 Jahre alten Esslinger Synagoge rund 150 Menschen versammelt, um ihre Solidarität mit der jüdischen Gemeinde zum Ausdruck zu bringen. Sie halten Kerzen in der Hand und singen jüdische Lieder.

Kurzfristig eingeladen zu der Solidaritätsaktion hatte der evangelische Dekan von Esslingen, Bernd Weißenborn. Er sagte an Rabbiner Yehuda Pushkin gewandt: „Ich will Ihnen meine Verbundenheit mitteilen. Ich will, dass Sie als jüdische Gemeinde in dieser Stadt wissen: Sie stehen nicht alleine hier, wir stehen zusammen. Wir wollen alles tun, um jüdisches Leben in dieser Stadt und in diesem Land zu schützen.“ Es dürfe keinen Freiraum für Rechtsradikale und Antisemiten geben. „Wir stehen zusammen als Demokraten“, so Weißenborn.

Gemeinsam mit der Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold übergab Dekan Weißenborn eine brennende Kerze an Rabbiner Yehuda Pushkin. Arnold sagte als Vertreterin der Leitung der evangelischen Landeskirche: „Dieser Abend ist ein Zeichen von Solidarität, auch von uns als evangelische Landeskirche. Wir dürfen nicht aufhören, auf allen Ebenen kirchlichen Lebens daran zu erinnern, dass jede Form von Verächtlichmachung jüdischen Lebens, jeder Anschlag auf jüdisches Leben Gotteslästerung ist. Wir stehen an Ihrer Seite.“

„Das ist typisch Esslingen, dass so viele Leute gekommen sind“, sagte Rabbiner Pushkin. Er freute sich über die Vertreter der unterschiedlichen Kirchen, auch der muslimischen Gemeinden und der Landes- und Kommunalpolitik. Und beinahe trotzig bekannte Pushkin: „Wir haben keine Angst. Wir werden weitermachen, wir werden unser Judentum nicht verstecken. Wir haben einen Platz in der Mitte der Gesellschaft, in dieser Stadt und in diesem Land.“

Wolfgang Drexler, Esslinger Stadtrat und Mitglied der deutsch-israelischen Gesellschaft, machte deutlich: „Der Anschlag in Halle ist die Spitze des Verlaufs einer Entwicklung. Man muss leider konstatieren, dass wir seit 2011, seit den Erkenntnissen über den NSU, eine laufende Verschärfung des Rechtsradikalismus und des Antisemitismus haben.“ Der ehemalige Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses  appellierte: „Wir alle sind gefragt. Dort, wo antijüdische Witze erzählt werden, wo Rassismus verbreitet wird, muss man aufstehen.“

Und der Esslinger Finanzbürgermeister Ingo Rust machte als Vertreter der Stadt klar: „Jüdisches Leben ist Teil dieser Stadtgesellschaft. Mit unserer Anwesenheit hier sagen wir nein zu Hass, nein zu Terror, nein zu Rechtsextremismus. Und wir sagen ja zu jüdischem Leben in unserer Stadt, ja zu freier Religionsausübung, zu einer vielfältigen Gesellschaft.“