05.01.21

Altenheimseelsorge

Cornelia Reusch geht als Altenpflegeheimseelsorgerin in den Ruhestand.

15 Jahre lang war Pfarrerin Cornelia Reusch als Seelsorgerin im Geriatrischen Zentrum in Esslingen-Kennenburg, einer Einrichtung der Diakonie, tätig und hat auch an der Altenpflegeschule unterrichtet. Nun geht die 65-Jährige in den Ruhestand.

„Es war, als hätte mich die Stelle gerufen“, sagt die evangelische Theologin. 2005 begann sie mit einem kleinen Auftrag im betreuten Wohnen, zwei Jahre später übernahm sie zunächst gemeinsam mit einem Kollegen, ab 2008 alleine, die landeskirchliche Pfarrstelle für Altenpflegeheimseesorge und damit eine vielschichtige und bunte Gemeinde.

Zuvor war die Mutter von drei erwachsenen Kindern Gemeindepfarrerin unter anderem in Deizisau. Nun betrat sie komplettes Neuland. Die neue Aufgabe bedeutete, sich in viele Wissensgebiete einzuarbeiten, Medizinethik ebenso wie Fragen der Pflege. Zuständig sowohl für Bewohner wie Mitarbeitende, galt es, deren Bedürfnisse zu erfahren. „Ich musste mich im System Pflegeheim erst verorten, herausfinden, wie ein so großes Haus funktioniert und wer wofür zuständig ist“, erinnert sich Reusch. Auch der Religionsunterricht an der Altenpflegeschule forderte die Pfarrerin. Sie unterrichtete Schülerinnen und Schüler vieler verschiedener Nationalitäten und unterschiedlicher Religionen oder auch ohne religiösen Hintergrund. „Die Schüler lernten nicht nur von mir, ich habe auch viel von ihnen gelernt“, sagt Reusch rückblickend.

Im Haus waren es vor allem die vielen Gespräche – zwischen Tür und Angel, am Bett oder im geschützten Raum des Seelsorgezimmers, für die sich die Pfarrerin viel Zeit nahm. „Das waren bunte, vielfältige und sehr oft bewegende Begegnungen.“ Im Gespräch mit alten Menschen sei ihr die Hochachtung für das, was Menschen im Leben bewältigt haben, sehr wichtig. Zuhören und auf das zu schauen, was am Ende des Lebens noch möglich ist, sieht sie als wichtige Aufgabe der Seelsorge. Ein schwerer Verkehrsunfall vor einigen Jahren habe ihr schmerzlich gezeigt, wie schnell man von einer Sekunde zur anderen aus dem Leben katapultiert werden könne. Gelernt habe sie aber auch, Hoffnung zu schöpfen, und was es brauche, um nach vorne zu blicken.

Einiges hat die Pfarrerin in ihrer Zeit im Geriatrischen Zentrum auf die Beine gestellt: darunter die Einrichtung eines Raums des Abschieds, Tage zum Atemholen für Mitarbeitende und einen jährlichen Seminartag für Ehrenamtliche sowie regelmäßige Gottesdienste für Menschen mit Demenz. Ganz wichtig ist ihr auch das Abendsingen, bei dem ein oder zwei Personen abends am Bett von Bewohnern singen. Das ehrenamtliche Team ist inzwischen auf 20 Personen angewachsen und das Konzept wurde auch von anderen Pflegeheimen übernommen. Dass im Geriatrischen Zentrum an jedem Sonntag ein evangelischer Gottesdienst gefeiert werde, sei etwas Besonderes. „Das war auch für mich immer eine Kraftquelle.“ Kraft getankt hat Cornelia Reusch auch aus der Spiritualität. „Ohne meine Kontemplationsausbildung hätte ich die Arbeit nicht machen können“, ist sie überzeugt. „Wenn man Menschen begleiten will, muss man in die eigenen Abgründe schauen. Aus diesem inneren Weg habe ich viel geschöpft.“

Im Kloster für die Stadt in Esslingen hat sie etliche meditative Angebote initiiert oder selbst geleitet. Engagiert ist Cornelia Reusch auch im Konvent Altenpflegeheimseelsorge in Württemberg, zu dessen Vorsitzender sie vor fünf Jahren gewählt wurde. Dort werden unter anderem Konzepte für die Altenpflegeheimseelsorge entwickelt.

Vieles bleibe zwangsläufig unvollendet, bedauert Cornelia Reusch. Doch nun dürfe auch wieder etwas Neues anfangen. Sie freue sich darauf, gemeinsam mit ihrem Mann zu reisen, auf die Arbeit im eigenen Garten und darauf mehr Zeit zu haben, um persönliche Kontakte zu pflegen. Als Meditations- und Kontemplationsleiterin will sie weiterhin Angebote machen und ansonsten sagt sie: „Ich schaue, was mich ruft.“

•    Am Sonntag, 17. Januar 2021, wird Cornelia Reusch im Gottesdienst um 10 Uhr im Festsaal des Geriatrischen Zentrums verabschiedet. Wegen der sehr begrenzten Zahl der Plätze müssen sich Gäste anmelden unter Tel. 0157 720 250 79.