12.02.21

Mesner

Lüften, Desinfizieren, Plätze anweisen: Mesnerinnen sind durch die Pandemie vielfältig gefordert.

Mesnerin Magda Lukatsch bereitet in der St. Bernhardt-Kirche eine Trauerfeier vor

Plätze anweisen, Personalien aufnehmen, Lüften, Desinfizieren und immer wieder die Hygienemaßnahmen erklären – die Arbeit der Mesnerinnen und Mesner im Evangelischen Kirchenbezirk Esslingen hat sich durch die Corona-Pandemie stark verändert. Vor allem, wenn die Kirchen auch für Trauerfeiern genutzt werden, kann das die Frauen und Männer, die für die Kirche verantwortlich sind, ganz schön ins Schwitzen bringen.

Christa Nowak ist in Lichtenwald eigentlich für zwei Kirchen zuständig. Doch derzeit bleibt die Kirche in Hegenlohe zu, weil dort unter den derzeitigen Abstandsregeln nur wenige Gläubige Platz finden würden. In der Kirche in Thomashardt dagegen gibt es eine flexible Bestuhlung. „Die ändere ich jeweils so, dass sie für den entsprechenden Anlass passt“, erklärt Nowak. Sie stellt Einzelstühle oder auch Zweiergruppen auf. „Ich renne dauernd mit dem Meterstab durch die Kirche“, erzählt sie schmunzelnd. Bei Trauerfeiern bekommt sie oft eine Liste von den Angehörigen. Dann überlegt sie, wer zusammen wohnt und auch zusammen sitzen kann, und gruppiert die Sitzgelegenheiten entsprechend. Beim Eintreten werden die Besucher nach ihren Namen gefragt, die Nowak dann in einer Liste notiert.

Andere Gemeinden legen kleine Formulare auf den Plätzen aus, in die sich die Gottesdienstbesucher oder Trauergäste dann selbst eintragen. In Lichtenwald weist Christa Nowak jedem Besucher einen Platz zu und notiert, wer wo sitzt. „Viel Aufwand, aber mit der Zeit bekommt man Routine.“

Auch in der Esslinger St. Bernhardt-Kirche hat Mesnerin Magda Lukatsch die Bänke mit dem Meterstab ausgemessen und Plätze markiert. Jede zweite Kirchenbank ist mit einem Band abgesperrt. In der kleinen Kirche dürfen sich die Gäste ihren Sitzplatz aussuchen. Ähnlich wird es in der evangelischen Kirche in Esslingen-Sulzgries gehandhabt. Vor Beginn des Gottesdienstes wirft Mesnerin Beate Kustermann dann jedoch einen prüfenden Blick auf die Reihen und schaut, ob alle auch regelkonform sitzen. Nicht jeder Besucher sei einsichtig, wenn ihm ein bestimmter Platz zugewiesen werde, berichtet Nowak. „Einige möchten einfach zusammensitzen.“ Der Gottesdienst sei für viele, vor allem alte Menschen eine der wenigen Gelegenheiten, um andere zu treffen. Lukatsch weiß zudem, dass manche Gottesdienstbesucher ihre Lieblingsplätze haben. „Sie verstehen manchmal nicht, dass sie dort nicht mehr sitzen dürfen.“ Oft helfen Kirchengemeinderäte beim Einweisen der Gottesdienstbesucher oder sorgen für einen geordneten Zu- und Abgang aus der Kirche.

Seit Corona gehört das Erklären der Hygiene- und Abstandsregelungen ebenfalls zum Geschäft der Mesnerinnen - wie sonst unter anderem Blumenschmuck, Kerzen und das Läuten der Glocken. Anfangs musste nicht nur Beate Kustermann Besucher auf Mundschutzpflicht und Handdesinfektion hinweisen oder die Abstandsregeln erklären. Nur selten traf sie auf Uneinsichtige.

Nach den Gottesdiensten heißt es für die Mesnerinnen die Kirchen gründlich durchzulüften, Bänke oder Stühle, Türen und Handgriffe sowie zum Teil die Gesangbücher zu desinfizieren. In St. Bernhardt, wo die Kirche tagsüber immer offen ist, muss Magda Lukatsch sowohl vor wie auch nach den Gottesdiensten oder Trauerfeiern alles desinfizieren.

Besonders schnell gehen muss es, wenn zwei Gottesdienste oder Trauerfeiern aufeinander folgen. In Lichtenwald etwa werden derzeit etliche verschobene Taufen aus dem Vorjahr nachgeholt, die dann im Anschluss an den Gottesdienst gefeiert werden. Rund eine Stunde Zeit, so die einhellige Meinung, brauche man um die Kirche wieder herzurichten. „Gut durchlüften, alle Stühle desinfizieren, benutzte Gesangbücher wegräumen und neue auslegen – da steigt der Adrenalinspiegel“, erzählt Nowak.

In die Kirchenräume dürfen derzeit weit weniger Menschen als sonst. Abgewiesen werden musste aber bisher kaum jemand, weil auch wesentlich weniger Menschen die Gottesdienste besuchen, so die Mesnerinnen. Bei einer großen Beerdigung wird etwa in St. Bernhardt die Feier ins Freie übertragen.
Der Zeitaufwand für die Gottesdienstvorbereitung, das Desinfizieren und Putzen der Kirchen ist durch Corona größer geworden. So ist es oft nicht leicht, mit dem Stundenkontingent hinzukommen. Andererseits berichten Nowak und Lukatsch, die beide auch als Hausmeisterinnen für Gemeinderäume zuständig sind, dass dort weniger zu tun sei, weil sich kaum Gruppen treffen können. Und Lukatsch ergänzt: „Ich zähle gerade nicht jede Stunde.“