30.12.20

Reichenbach

Dr. Heinrich Hofmann wird neuer evangelischer Pfarrer in Reichenbach/Fils.

Dr. Heinrich Hofmann vor dem Paul-Schneider-Haus in Reichenbach

„Ich bin immer für Neues zu haben“, sagt Pfarrer Heinrich Hofmann von sich selbst. Der promovierte evangelische Theologe übernimmt im Januar die geschäftsführende Pfarrstelle in der Evangelischen Kirchengemeinde Reichenbach. Er ist bisher geistlicher Leiter von „Kirche im Aufbruch“ und Gemeindepfarrer in Mergelstetten bei Heidenheim.

Aufgewachsen ist der 59-Jährige unter anderem in Geislingen/Steige und Lonsee-Radelstetten. Nach dem Abitur und dem Grundwehrdienst als Sanitäter erwog er Medizin, Architektur oder eben Theologie zu studieren. „Theologie war meine Berufung“, sagt Hofmann zur Entscheidung. Religionsunterricht sei sein Lieblingsfach in der Schule gewesen. Zum Studium ging es nach Tübingen, Erlangen und ins nordenglische Durham, wo Heinrich Hofmann seine Frau Helen, ebenfalls Theologin, kennenlernte. Das Paar hat drei inzwischen erwachsene Kinder. Zwei Jahre studierte Hofmann am Fuller Theological Seminary in Kalifornien, wo er 2003 promovierte. „Ein ganz praktisch ausgerichtetes Studium, das war sehr bereichernd“, schwärmt er.

Heinrich Hofmann fühlt sich im Pietismus verwurzelt. „Es lohnt sich, mit Gott zu leben und die Welt zu gestalten. Dadurch hat man Halt im Hier und Jetzt. Dies möchte ich weitergeben.“ In England habe er darüber hinaus eine charismatisch ausgerichtete Frömmigkeit kennengelernt. „Diese schätze ich auch, aber sie muss biblisch geerdet sein.“ Seit 16 Jahren pendelt der Pfarrer nach Canterbury in Südengland, wo seine Familie lebt.

Seit 2006 ist Heinrich Hofmann geistlicher Leiter von „Kirche im Aufbruch“, einer Erneuerungsbewegung, die  auf der Nordalb eine Tagungsstätte unterhält und auch selbst Seminare anbietet. Höhepunkt in jedem Jahr sei die Zeltstadt, an der jeweils rund 2000 Menschen teilnehmen, sagt Hofmann.

Vor vier Jahren ist er mit einer 50-prozentigen Anstellung ins Gemeindepfarramt zurückgekehrt und hat seinen Dienst bei „Kirche im Aufbruch“ entsprechend reduziert. „Da merkte ich, dass ich leidenschaftlich gern Gemeindepfarrer bin.“ Denn dort habe man Zugang zu allen gesellschaftlichen Schichten und Altersgruppen.

An Reichenbach reize ihn vor allem, „dass es hier eine starke kirchliche Prägung, ein gutes christliches Fundament und viele Menschen gibt, die bereit sind mitzumachen, wenn man etwas Neues aufbauen will“. Er wolle gerne mit Menschen arbeiten, „die im Leben noch etwas erreichen, verändern und gestalten wollen“. Junge Menschen geistlich zu begleiten, liegt dem neuen Pfarrer besonders am Herzen. Er lehre gerne, sagt Hofmann: Vorträge, Glaubenskurse und Unterricht gehören dazu. Aber auch die Spiritualität, wie sie etwa im gemeinschaftlichen Beten zum Ausdruck komme, sei ihm wichtig. Und nicht zuletzt predige er sehr gerne. Die Kanzel in Reichenbach ist ihm übrigens nicht fremd: „Ich habe hier als Leiter von Kirche im Aufbruch schon gepredigt“, erzählt er. Und auch andere Verbindungen habe die Bewegung nach Reichenbach. Etliche Gemeindemitglieder hätten etwa an der Zeltstadt mitgearbeitet.

„Neben der traditionellen Gemeindearbeit lagen mir schon früh neue Formen von Kirche am Herzen“, erklärt Hofmann. Dazu gehören neben alternativen Gottesdienst-Formen auch Glaubenskurse oder Lobpreis- und Lehrabende wie auch monatliche Gebets-Treffen von Männern.
Viel über die Ökumene gelernt habe er unter anderem bei einem Praktikum im überkonfessionellen Gebetshaus in Freiburg. Das passt gut zu seiner künftigen Aufgabe im Kirchenbezirk, wo er neben dem Gemeindepfarramt für Mission und Ökumene zuständig sein wird. Immer wieder reist Heinrich Hofmann auch nach Israel – zuletzt mit jungen Leuten. Dass er künftig in der Kirche Theodor Dippers predigen wird, der während der Nazizeit im Pfarrhaus verfolgten Juden Unterschlupf gewährte, erfülle ihn schon ein stückweit mit Ehrfurcht.

Am 24. Januar wird Pfarrer Dr. Heinrich Hofmann in einem feierlichen Investitur-Gottesdienst in der Mauritiuskirche von Dekan Bernd Weißenborn in sein Amt eingesetzt. Bis die Renovierung des Pfarrhauses abgeschlossen ist, wird der Pfarrer pendeln.